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› Wer solch ein Ei unter den Christbaum gelegt bekommt... HD - 250
18.12.2009 ...wie die Pfullendorfer ALNO-Mitarbeiter, der macht sich über Ostern keine Gedanken mehr. Eigentlich komisch, dass es so lange gedauert hat. Denn mittlerweile ist es ja gängige Praxis, immer da, wo Arbeitsplätze gefährdet sind, den Steuerzahler zu schröpfen. So jetzt auch in Pfullendorf, wo beim Küchenmöbel-Konzern ALNO AG akut 130 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen und der Standort selbst ebenfalls im Feuer steht.

Auf Einladung des Betriebsrates, schreibt am 18.12.2009 der Südkurier, habe einen Tag zuvor der Pfullendorfer Bürgermeister Thomas Kugler an der außerordentlichen Betriebsversammlung der ALNO-Belegschaft teil genommen. Beim anschließenden Pressegespräch sei dann deutlich geworden, „dass der Rathauschef seit vielen Wochen im Gespräch mit dem Betriebsrat ist und versucht, von politischer Seite Unterstützung zu bieten“.

Was nichts anderes bedeutet, als das Vater Staat mal wieder einspringen soll, um unternehmerisches Versagen mit Steuergeldern auszubügeln.

„Der Standort habe „viel mehr Potenzial, als man ihm zugesteht“, wird Kugler im SK zitiert. Das „Worst-Case-Szenario“, nämlich die Schließung der Produktion in Pfullendorf „wäre eine Katastrophe für die Beschäftigten und deren Familie“.

Wie die staatliche Unterstützung für die ALNO AG aussehen soll, das ist freilich noch unklar. Das Pfullendorfer Stadtoberhaupt weiß allerdings schon jetzt, dass „von den Verantwortlichen in Stuttgart...Konzepte gefordert werden, bevor es konkrete Hilfeleistungen gebe“.

Schon vor sechs Jahren war eine Bürgschaft des Landes Baden-Württemberg entscheidend für den Fortbestand von ALNO, erinnert der Südkurier. Jetzt geht es allerdings nicht mehr um ganz ALNO, sondern ausschließlich um den Standort Pfullendorf. Und sollte hier mittels staatlicher Zuwendungen die Produktion fortgeführt werden, müßte einer der drei anderen Standorte in Enger, Brilon oder Klieken dran glauben, obwohl diese Produktionsstätten realistisch gesehen bessere Überlebenschancen haben als Pfullendorf.

Da jetzt mit Staatsknete den Ausleseprozess beeinflussen zu wollen, das könnte problematisch werden.

Auf Staatsknete hat ein anderer Möbel-Schaffender wenig Aussicht. Lutz Reinhardt, Sonderposten-Filou mit seiner MAM AG (mam limited), Nagold. Bei Werbesprüchen grundsätzlich drei Takte zu schrill und inhaltlich immer an der Grenze des erlaubten braucht er aber dennoch Geld. Zur Warenbeschaffung.
Und was macht der bekennende Schwabe? Greift eine nicht ganz neue Idee (Möbel Anderle, Berlin, 2008) wieder auf und pumpt seine Kunden an.
Das heißt dann so: „Mit Privatdarlehen durchbricht mam-limited, Marktführer im Outlet für Markenmöbel, die Abhängigkeit von den Kreditinstituten.“

„Einfach satt“ habe er die ständige Bettelei, um Kredite, schimpft Reinhardt. Um immer die aktuellsten Designer-Kollektionen zu
Topkonditionen einkaufen zu können, habe mam-limited einen hohen Kapitalbedarf. Dem verweigerten sich in Zeiten der Finanzkrise jedoch immer mehr Banken.

Deshalb das Angebot: „Für die Privatdarlehen, die sich zwischen 10.000 und 200.000 Euro bei einer Vertragslaufzeit von zwei Jahren bewegen, bezahlt MAM pro Jahr satte zehn Prozent Zinsen. Es fallen keine Bearbeitungsgebühren an, und die Geldgeber werden jedes Jahr mit einem Einkaufsgutschein von fünf Prozent der Anlagensumme belohnt.“

Sicherheiten? Ja klar! „Als Garantie wirft Lutz Reinhardt die 30-jährige Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens in die Waagschale, an der die Kunden nun persönlich teilhaben können“, jubelt der selbsternannte SoPo-König.

Verträge mit einer insgesamt sechsstelligen Kreditsumme sollen bereits
unterzeichnet worden sein.
Dem Berliner Möbelhändler Hans-Jürgen Anderle, der genau vor einem Jahr mit derselben Schnapsidee hausieren ging, haben nicht nur die Verbraucherschützer die Gegenargumente um die Ohren gehauen. „Diese Geldanlage ohne echte Sicherheiten“ komme einem Glücksspiel sehr nahe, hieß es damals.
Als dann noch ein anonymer Kläger die Aktion per Einstweiliger Verfügung beenden ließ, war der Spuk in Berlin vorbei. Das wird in Nagold nicht anders ausgehen. Aber eins haben beide Möbelhändler erreicht: Kostenlose Publicity durch diverse Presse-Berichte, und das ist vor allem für Lutz Reinhardt alles, was zählt.
Ihnen allen gilt mein Dank für jahrelange Treue im nunmehr schon 13. Jahr des HartDran Möbel Reports. Bleiben Sie gesund. Schalten Sie ab. Staunen Sie, wie groß die Kinder geworden sind und feiern Sie möglichst fröhliche, unbeschwerte Weihnachten.

Ihr

Ralf Hartmann
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