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› Immer, wenn mich einer fragt... HD - 249
24.11.2009 ...warum schreibst Du da nichts zu? Dann bin ich erst einmal sehr skeptisch. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen schätze ich es natürlich überhaupt nicht, wenn mir jemand ein Thema als auf den Nägeln brennend suggeriert, das mir selber bislang vielleicht noch nicht einmal bekannt war, (hab ich da was verpasst?) alternativ: bislang als wenig wichtig erschien.
Andererseits gibt es Themen wie Messetermine zu jeder Jahreszeit, Wasserträgerei bei Möbeleinkaufsverbänden, Konditionsbolzerei im Allgemeinen und/oder im besonderen, ständiges Anpinkeln der sogenannten Möbel-Giganten usw usf, die mittlerweile dermaßen abgenudelt sind, dass selbst der eifrigste Chronist zuweilen mal leicht ermüdet, wenn er sich zum hundertsten mal über ganz offenbar unabänderliches échauffieren soll.
Fassen Sie das jetzt bitte nicht als Arroganz auf, aber nach einem Vierteljahrhundert Möbel-Journaille fällt es ab und an gar nicht so schwer, gewisse Dinge da einzuordnen, wo sie hingehören. Dadurch unterscheiden wir uns ja auch angenehmerweise immer noch so ein ganz klein wenig im viel zu üppigen Blätterwald der Möbel-„Fach“-Postillen.
Worum es heute geht? Um Möbel Höffner und sein Jubiläum im nächsten Jahr. Zwar weiß keiner so recht, warum Kurt Krieger für sein kleines Höffner-Reich ausgerechnet das Jahr 2010 als runden – 100sten – Geburtstag ausgeguckt hat, aber diese Frage ist für Lieferanten eher zweitrangig.
Die nämlich haben ein ganz anderes Problem. Kleine Geldgeschenke zum Jubiläum. Absolut üblich in der Branche. Sonder-Rabatt zum Möbelhaus-Geburtstag. Drei, vier, fünf Prozent auf alles. Für drei, vier, fünf Wochen. Auch wenn es sich manchmal nur um die Wieder-Eröffnung der Damentoilette handelt, deren Renovierung sich zum zehnten mal jährt. Jeder Lieferant versteht es, mit diesen kleinen Aufmerksamkeiten umzugehen, die ohne falsche Scheu recht konkret eingefordert werden.
Höffi jedoch, repräsentiert durch die Inhaber-Tochter Sonja Krieger, scheint es diesmal ein wenig zu heftig aus zu reizen. Mit zwei Prozent auf alles fürs ganze Jahr ist die Schmerzgrenze offenbar weit überschritten.
Verständlich. Angenommen, ein Produzent mit einem jährlichen Umsatzvolumen von 40 Mio. Euro realisiert 3 Mio. davon allein mit Möbel Höffner – eine Quote, die durchaus nicht ungewöhnlich ist – dann müsste der im Lauf des nächsten Jahres mal eben auf 60.000 Euro Bruttoerlös verzichten. Kein Pappenstiel für die darbende Möbelindustrie.
Für Höffi rechnet sich das natürlich. Ein theoretisches Einkaufsvolumen von 500 Mio. Euro angesetzt kommen da ganz schnell mal eben 20 Mio. Euro an Zusatzeinnahmen zusammen.
Schreib das doch mal, haben die Leute gesagt. Aber so leicht ist das gar nicht. Jeder wütet im kleinen Kreis über diese „unverschämten Forderungen aus Berlin“, aber offiziell macht keiner den Mund auf. Wer will es sich schon mit Familie Krieger verderben?
Selbst als Höffner letzte Woche in München beispielsweise Schüller Küchen ratzeputz raus verkauft hat, wollte keiner was wissen von zwei Prozent. „...einvernehmlich geeinigt, die Zusammenarbeit zu beenden“ lautet der Kommentar von Markus Schüller. Rabattforderungen? Nein, damit habe das nichts zu tun.
Unter der Hand bekommt der Rechercheur zumindest von guten Bekannten schon mal ein paar „Fakten“ auf den Tisch. Aber, „bloß nicht zum Schreiben“ und zitiert werden will gleich überhaupt niemand. Lieber sucht sich jeder seinen eigenen kleinen Ausweg, und es soll etlichen Höffner-Lieferanten auch gelungen sein, irgendwelche Kompromisse auszuhandeln. „Man muss nur vernünftig miteinander reden“ sagen die, die mit einem blauen Auge aus den Rabattverhandlungen kommen.
Und ehrlich gesagt. So ganz kann ich die Aufregung nicht verstehen. Denn ganz so außergewöhnlich sind Höffners Begehrlichkeiten nun auch wieder nicht.
Da gibt es zum Beispiel die Geschichte vom Jubiläum eines mittelständischen VME-Mitglieds. Sie merken schon, ich traue mich auch schon nicht mehr, Ross und Reiter zu nennen. Dieser Mittelständler also, wollte auch ein ganzes Jahr lang Zuwendungen für sein Jubiläum einsacken. Hatte aber die Idee, den Bonus nur für einen bestimmten Wochentag einzufordern.
Also beispielsweise drei Prozent auf alle Aufträge, die an einem Dienstag beim Lieferanten eintrudeln. Kann man machen, haben sich viele gesagt. Immerhin steht die Chance ein zu sechs jede Woche. Natürlich ahnen Sie aber schon, was passiert ist. Montags nichts, Dienstags massenweise Aufträge, den Rest der Woche wenig. Wahlweise von Montag bis Freitag gar nichts und am – rabattierten – Samstag alles.
Reiner Zufall natürlich. Komischerweise hat sich darüber keiner öffentlich aufgeregt und gesagt „schreib das mal“. Ich wette übrigens, es gibt noch viele solche Geschichten. Sonderrabatte gehören eben dazu. Und wer das weiß, der kann auch damit umgehen. Rechtzeitig „richtig“ kalkulieren. Auch Möbelhändler sind nur Menschen – und wollen zuweilen an der Nase herumgeführt werden.
Übrigens, wer „100 Jahre Höffner“ googelt, der landet nicht etwa beim Jubiläum einer Berliner Möbelhändler-Familie, sondern bei Joseph Kardinal Höffner, langjähriger Kölner Erzbischof und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der wäre vor zwei Jahren nämlich 100 Jahre alt geworden. Ob die Gemeinde anlässlich der anstehenden Feierlichkeiten einen Jubiläumsbonus von zwei Extra-Prozent in den Klingelbeutel geworfen hat, ist nicht überliefert.

Ihr

Ralf Hartmann
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