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› Wenn das Editorial geschrieben ist… HD - 258
27.05.2010 …und die Redaktion geschlossen, dann geht eigentlich nichts mehr. Das Heft ist fertig und zum Teil schon gedruckt. Am Donnerstag-Abend war das so. Und deshalb dürfen Sie sich nicht wundern, dass der fröhliche Hummel-König nebst Narrenkappe den Titel ziert, während das Top-Thema, „BEGROS kuschelt mit Köln“ auf Seite 14 herumkrebst. Bin froh, dass es überhaupt noch drin steht.
Wir erinnern uns: Oft haben wir uns während der unsäglichen Messe-Termin-Diskussionen gefragt, wieso irgendwann gerade die übermächtigen BEGROS-Fürsten so nachhaltig umgeschwenkt sind und sich vehement für eine starke imm cologne in die Bresche geworfen haben. Jetzt wissen wir`s.
Da ist offenbar schon damals die Idee geboren worden, Köln als wohlfeilen Multiplikator für die eigene Handelswerbung zu nutzen. Wohlfeil insofern, als ja wohl kaum einer glauben mag, dass die BEGROS auch nur einen Cent Miete abdrücken muss für die Kölner Messehalle 1. Ist doch eigentlich eine Verbandsmesse. Und wer muss da zahlen? Richtig! Die ausstellende Industrie.
Auch wenn die vielleicht ohnehin präsent ist auf der imm cologne oder auch – Ironie der Verweigerung – gar nicht dahin wollte. Jetzt müssen alle. Denn wer wollte schon nein sagen, wenn die BEGROS zum Tanz auffordert.
Ist ja auch eigentlich nicht so schlimm, mag sich manch einer die Lage schön reden. Ist eben die Verbandsmesse und die ist nun mal nicht mehr in Essen, wie in den letzten drei Jahren, sondern eben in Köln.
Ganz so einfach ist das aber nicht. Zunächst entsteht da bei den Fachbesuchern eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Denn wann hätte es das schon je gegeben in Köln, dass bestimmte Messe-Bereiche – in diesem Fall die komplette Halle 1 - für die Masse der Fachbesucher tabu sind.
Andererseits wird auch das Messekonzept verwässert, wenn plötzlich, wie auf jeder popligen Handwerksmesse Händler als Aussteller neben Herstellern agieren.
In diesem Zusammenhang sollte sich Messechef Gerald Böse, der den BEGROS-Deal aus nachvollziehbaren Gründen natürlich lauthals bejubelt, mal überlegen, dass er sicher eine zusätzliche Attraktion für die Publikumstage geschaffen hat, andererseits aber Gefahr läuft, sein klassisches Fachpublikum nachhaltig zu verprellen.
Aber möglicherweise auch die Industrie, die zum Teil gerade erst mühsam wieder angefüttert worden ist für eine Köln-Teilnahme. Die könnte jetzt wieder ins Grübeln kommen angesichts der Zwitter-Veranstaltung die zur imm cologne 2011 festgezurrt werden soll.
Hierzu nur ein Beispiel. Bislang war es nicht nur in Köln, sondern auf allen wichtigen Möbelmessen üblich, dass die BEGROS-Lieferanten vor der Veranstaltung gewisse „Aufgabenstellungen“ aus Oberhausen bekamen. „Bau uns mal ein Modell mit den und den Funktionen, das ruhig so aussehen kann, wie das Modell X vom Lieferanten Y.
Das wurde dann gemacht, und bei der berühmten Kisten-Steigerei vor Messebeginn – natürlich sind da schon lange nicht mehr ausschließlich BEGROS-Einkäufer unterwegs – beim Pappkarton-Slalom also, wurde das unauffällig abgestellte möglicherweise noch gar nicht enthüllte Modell begutachtet und für tauglich oder auch nicht befunden.
War`s gut, musste das neue Möbel die Messe gar nicht mehr mitmachen. Gefiel es nicht, konnte es noch während der Messe anderen Einkäufern schmackhaft gemacht werden.
Das geht jetzt nicht mehr. Denn die realisierten „Aufgabenstellungen“ werden zwar auch im Januar 2011 mit nach Köln genommen, verschwinden aber dann gleich in Halle 1. Und können – bei Ablehnung - in Köln zumindest keinem anderen Verband mehr angeboten werden.
Das hat für BEGROS den Vorteil, dass der Wettbewerb später dran ist mit der Verwertung solcher Modelle die nicht ins Oberhausener Klischee gepasst haben. Ein klarer Wettbewerbsnachteil.
Und noch ein Vorteil für Oberhausen. Das Ding steht ja da auch noch, wenn die Endverbrauchermassen durch die BEGROS-Halle schieben. Und wenn das Volk anders entscheidet, kann ja auch die BEGROS-Kommission einfach nochmal umschwenken. Und abgelehnte Modelle wieder aufnehmen.
Clever sind sie schon die Oberhausener Dickschiffe. Ob sich Köln dabei ein Eigentor geleistet hat, das wird sich ganz bestimmt noch vor Messebeginn im Januar 2011 herausstellen.

Ihr

Ralf Hartmann
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