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› „Unter dem Strich bleiben von 1,26 Milliarden… HD - 299
29.06.2012 … nur 630 Millionen Euro Schulden. Ein Tausch von Schulden in Eigenkapital ist bei hochverschuldeten Unternehmen nicht unüblich. Ähnliches war unter anderem bei dem Autozulieferer Honsel, dem Call-Center-Betreiber Walter Services oder bei Bavaria Yacht geschehen. Doch dass dabei die nachrangig besicherten Gläubiger zum Zug kommen, die in diesen Fällen meist leer ausgehen, ist ungewöhnlich.“

Diese Sätze stammen aus dem Handelsblatt und es geht um den hochverschuldeten Folienhersteller Pentaplast-Klöckner, der 2007 unter die Räuber, pardon, an einen Hedgefond gefallen ist. Pentaplast scheint mir so ein typisches Beispiel für „unverschuldet in Not geraten“ zu sein.

Denn Klöckner-Pentaplast gilt laut Handelsblatt noch immer als gesundes Unternehmen. Wenn da bloß die Schulden nicht wären. Und wo kommen die her? Klassisch: Der Finanzinvestor Blackstone hat vor fünf Jahren fast 1,3 Milliarden Euro für das Unternehmen gezahlt, die Schulden aber auf Pentaplast übertragen.

Jetzt kommt der nächste Investor, der Hedgefond Strategic Value Partners (SVP), und tut sich mit den schlechter besicherten Gläubigern von Pentaplast zusammen, „die nun ebenfalls Anteilseigner werden und dafür auf ihre Kredite verzichten“.

Es mag zwar naiv klingen, aber ich bin doch immer wieder erstaunt, wie einfach es ist, mehrere hundert Millionen Schulden einfach mal eben so verschwinden zu lassen, und hinterher hat eigentlich niemand wirklich Geld verloren. Das grenzt doch irgendwie an Zauberei.

Bei Pfleiderer scheint das Ganze etwas komplizierter zu sein, aber der Holzwerkstoff-Spezialist aus Neumarkt in der Oberpfalz, hat ja auch keine Schulden von sinistren Investoren aufgehalst bekommen, sondern die Kohle durch ein Bündel von wirtschaftlichen Fehlentscheidungen ganz einfach selbst verbrannt.

Ähnlich, wie vor Jahren der Schieder Möbel-Konzern, dessen Fehlbeträge ja im eher „läppischen“ 200/300 Mio. Euro-Bereich lagen. Da war allerdings der Fehler, dass die Verantwortlichen um Firmengründer Rolf Demuth zu lange die Realitäten ignoriert haben und so zügig ins den Bereich „strafrechtlich von Belang“ abgerutscht sind. Hätte Demuth früher gehandelt, hätte man vielleicht auch Schieder Möbel aus der Schieflage herauszaubern können.

So wie es jetzt Max Müller bei der ALNO AG versucht. Aber auch bei dessen Geldbeschaffungsmaßnahmen muss sich nicht nur der Laie ab und zu die Augen reiben und fragen: „Ja wie soll das denn gehen?“

Geplant ist der Abschluss einer Sanierungsvereinbarung III bis spätestens Mitte Juli 2012 sowie eine Kapitalerhöhung im Herbst 2012. Das heißt, es soll mal wieder frisches Geld in den angeschlagenen Laden gepumpt werden.

Und woher soll es kommen? Natürlich von denen, die ohnehin schon im sinkenden Schiff sitzen, den Hauptaktionären Küchen Holding GmbH, München, und der IRE Beteiligungs GmbH, Stuttgart. Gefragt sind auch „die wesentlichen finanzierenden Banken des ALNO-Konzerns und des Lieferanten Bauknecht Hausgeräte GmbH, Stuttgart“.

Und abenteuerlich genug: Die Hauptversammlung im August 2012 soll mal wieder eine Erhöhung des Stammkapitals beschließen.

Es geht also weiter mit „volle Fahrt auf Pump“! Der Vorstand, so die frohe Botschaft, befinde sich bereits „mit bisher nicht finanzierenden Banken in konkreten Finanzierungsgesprächen“.

Fazit im Geschäftsbericht: „Die Fortführung der Unternehmenstätigkeit der ALNO AG … hängt davon ab, dass die oben genannten Maßnahmen des Kapital- und Finanzierungskonzepts wie geplant rechtzeitig umgesetzt werden und die Bedingungen und Annahmen der Unternehmensplanung wie geplant eintreten bzw. zutreffen werden.“ – Und wenn nicht…?

Dann käme ja immer noch ein Kapitalschnitt wie eingangs beschrieben in Frage. Irgendeine Heuschrecke wird dann schon Gewehr bei Fuß stehen, um die Reste auf profitable Art und Weise zusammenzukehren.

Ihr

Ralf Hartmann
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