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› Ihnen ist sicher auch schon öfter aufgefallen…, HD - 300
13.07.2012 … dass sich die seriöse Tages- und Wirtschaftspresse eher zu langweilen scheint, wenn sie sich mit den Problemen unserer schönen Branche beschäftigen muss.

Oft genug werden da gedankenlos vorgegebene Texte nachgeplappert, Tatsachen durcheinander gewirbelt und grundsätzlich nicht hinterfragt, wenn Dinge wenig plausibel erscheinen.

Das liegt sicher daran, dass die im Verhältnis doch recht überschaubare Möbelbranche im Tanz der Giganten eher ein Mauerblümchendasein fristet.

Die großen und die kleinen Wirtschafts-Journalisten, die beschäftigen sich eben doch lieber mit Konzernen wie Daimler, Siemens, Deutsche Bank. Wenn sie nicht gar gleich die Weltwirtschaft retten oder Euroland in Frage stellen.

So blieb es nicht aus, dass in den letzten Tagen der Pfullendorfer Küchen-Konzern ALNO AG zwar die eine oder andere Schlagzeile bekam, letztendlich aber flüchtig, lieblos, oberflächlich abgehandelt wurde.

Unisono die faden Titelzeilen. Hinterfragen, das war eigentlich nicht angesagt beim großartigen Befreiungsschlag des selbsternannten ALNO-Retters Max Müller.

Beispiele gefällig? „Bauknecht entschuldet Alno“ schreibt die Süddeutsche. „Alno: Finanzierungsprobleme gelöst“, jubelt focus-online. „Alno vor Befreiungsschlag“, schreibt die Börsenzeitung.

Und wie immer in solchen Fällen, werden Themen wie „Forderungsverzicht“, „Kapitalherabsetzung mit anschließender, garantierter Barkapitalerhöhung“, „wesentliche Sanierungsbeiträge der Banken und von Altaktionären“ so behandelt, als seien sie tägliches Brot eines Küchenproduzenten.

Dabei steckt dahinter ein gigantischer Geldvernichtungsmechanismus!
Andererseits, in Zeiten wo Rettungsschirme grundsätzlich nur noch im dreistelligen Milliardenbereich aufgespannt werden, da sind die paar hundert Millionen, die ALNO auf der Soll-Seite stehen hat, in der Tat nur noch „Peanuts“.

Und weil das Ganze so uninteressant ist für die schreibende Zunft aus der Wirtschaftspresse, da gibt es natürlich auch mal Stilblüten wie: „Wesentlich besser läuft es hingegen beim Küchenhersteller Alno. Konkurrent Bauknecht, der zum US-Konzern Whirlpool gehört und 18,8 Prozent der Anteile hält, garantiert die notwendige Kapitalerhöhung.“ (ard-Börse)

Oder: „Alno ist einer der wichtigsten Kunden von Bauknecht und mit 18,8 Prozent der zweitgrößte Aktionär.“ (Süddeutsche Zeitung). Besser kann man sein Desinteresse kaum dokumentieren.

Tatsächlich ist aber mit den aktuellen Jubelstürmen der ALNO-Drops noch lange nicht gelutscht. Ich habe mir deswegen erlaubt, mal ein wenig darüber nachzudenken, wie die Zukunft für ALNO wirklich aussehen könnte.

Also, wenn ich Max Müller wäre, ich könnte mir vorstellen, Wellmann mal eben in die Insolvenz zu schicken, die kleinen Filet-Stücke Pino und Impuls zu einem ordentlichen Tarif abzustoßen und mich erst mal ganz auf ALNO zu konzentrieren.

Und wenn ich da dann den Ballast beseitigt hätte, würde ich mit der Unternehmensgruppe Hüls verhandeln und die schöne Marke ALNO nebst Produktion in Pfullendorf und allem Drum und Dran nach Stadtlohn verkaufen.

Etwas Besseres könnte den Pfullendorfern doch gar nicht passieren. Eine seriöse und vor allem gut gepolsterte Mutter. Geschwister mit klangvollen Namen wie Hülsta, Rolf Benz, Ruf Betten etc.. Und dann wäre irgendwie jedem geholfen.

Denn bei allem Respekt für die finanziellen Schachzüge des Schweizer Finanz-Genies Max Müller. Der ALNO-Konzern in seiner heutigen Form, der seit bald 10 Jahren von einem Liquiditätsengpass in den nächsten taumelt, der wird in dieser Form wohl kaum zu halten sein.

Die Marke ALNO inklusive dem Standort Pfullendorf wäre aber durchaus erhaltenswert. Allein um andere Anbieter in Deutschland nicht übermächtig werden zu lassen. Das ist nämlich in allererster Linie auch das nachhaltige Interesse des Handels.

Und Max Müller wäre auch geholfen. Man stelle sich nur vor, was da an Provisionen fällig wäre, wenn der Deal nach und nach so über die Bühne ginge.

Aber ich hab ja nur mal so vor mich hin gesponnen …


Ihr


Ralf Hartmann
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