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12.10.2012
… alljährlich das gleiche Wehgeschrei anzustimmen, nur weil wieder mal Kernmessezeit war für die Möbelbranche?
Diese Erkenntnis verdanken wir bekanntermaßen dem Kölner Messechef Gerald Böse, und natürlich hat er irgendwie Recht. Wer´s drauf anlegt, der muss wirklich nur noch zum Wäschewechseln nach Hause. Muss nicht mal mehr ins Büro, denn wesentliche Dinge lassen sich dank galoppierender Technik ja längst von überall aus erledigen. Ich war in den letzten Wochen auch gut unterwegs, bin allerdings, möglicherweise altersbedingt, nicht so gnadenlos vernetzt, dass ich sämtliche Aktivitäten, die Heftproduktion betreffend, mal ebenso aus der Laptop-Tasche raus erledigen kann – oder möchte. Dies ein Grund dafür, dass Sie auf die aktuelle HartDran-Ausgabe ein wenig länger warten mussten, als gewohnt. Dafür gibt es jetzt einen Kessel Buntes, in dem eigentlich für jeden etwas dabei sein sollte. Aber zurück zur Dauermusterung. Natürlich war es wie immer. Alle waren da. Wobei „Alle“ schon seit langem bedeutet: Die Kunden, auf die es ankommt. Die Nadelöhre, durch die jedes Produkt durch muss, wenn es in den Möbelhäusern landen soll. Die Einkaufsausschüsse der Verbände, die Entscheider im Bereich Großkunden, die Personen also, deren Tagesform und deren Daumen mal eben über Wohl und Wehe eines kompletten Messeauftritts entscheiden können. Da die Zahl der „wichtigen“ Gruppierungen in den letzten zehn Jahren nochmal drastisch gesunken ist. Von geschätzten einstmals dreißig auf acht bis zehn. Mag es heutzutage vielleicht noch wichtiger sein, den einen Ausschuss zu überzeugen. Wobei die „Dicken“ mittlerweile auch verunsichert scheinen bei ihren Entscheidungen. Die Intensität der Verhandlungen hat im Laufe der vergangenen Jahrzehnte aus meiner Sicht deutlich zugenommen. Früher war das oft ein Schaulaufen der Einkäufer, ein sich Messen von Individuen. Da ging es in vielen Fällen nicht um den letzten Preis, sondern um Emotionen. Um persönliche Befindlichkeiten. Längst vorbei. Weil ich als Anbieter einen Möbelhaus-Inhaber persönlich kenne, deswegen drückt dessen Einkäufer noch lange kein Auge mehr zu. Heute zählt Warenkenntnis im Einkauf mehr, als zu den Zeiten in den 1970er und 80er Jahren, als man schon mal fünfe gerade sein ließ. „Ich kann diese Pfennigspalterei nicht mehr nachvollziehen“, das hat mir – zwanzig Jahre mag das her sein -, mal Erich Breiding gesagt, die längst verstorbene Rheinmoeve Worms-Legende und damals Mitbegründer der Union. „Früher“, so Breiding damals, „da haben wir gesagt, jetzt klebst Du an jeden Schrank noch einen Zehnmarkschein und dann war das Geschäft gelaufen.“ Und heute? Noch immer geht ein Raunen durch die Gänge, wenn beispielsweise das Gerücht aufkommt, die Union habe da und da 14 Kaufentscheidungen getroffen. Oder: „Begros war schon zweimal da.“ Das mag für den einen oder anderen die Erlösung sein. Sofern er ordentlich kalkuliert hat. Was aber fehlt, ist die Menge derer, die das Zeug später verkaufen soll. Die Inhaber des mittelständischen Fachhandels. Noch wichtiger aber: Die Verkäufer in den Möbelhäusern. Hier gilt es, Angebote zu machen. Wobei natürlich beide Seiten gefordert sind. Als Hersteller wissen Sie ja selbst, wie wichtig Verkäuferschulungen sind. Und wie aufwändig. Aber es lohnt sich. Ein Möbelverkäufer, der mal ein, zwei Tage über die M.O.W. schlendern darf, wird dort nämlich zweierlei bemerken. Erstens, dass es doch noch mehr gibt, als den Einheitsbrei, den ihm seine Konzern-Einkäufer zum Vermarkten ins Haus schleppen (lassen) und zweitens, dass es durchaus Unterschiede bei den Anbietern gibt. Wer engagiert sein Produkt vermittelt, der wird dieses Engagement möglicherweise über den Mittler im Einzelhandel bis zum Endkunden transportieren können. Fazit: Es müssen Verkäufertage her, um auch die Hausmessen wieder sinnvoll zu gestalten. Der Endverbraucher schleicht sich in Ostwestfalen ohnehin nur zum Buffet-Abräumen in die Messe-Restaurants. Und hat in den Ausstellungen ja auch wirklich nichts verloren. Ihr Ralf Hartmann |
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