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› Was war das für ein Aufstand …
03.11.2017 … als in der 40. KW plötzlich „Giftmatratzen“ den Deutschen ihren wohlverdienten Schlaf zu rauben drohten. Gelernt haben wir da, dass TDI nicht nur Turbocharged Diesel Injection heißt, sondern auch Toluylendiisocyanat. Und auch DCB (Dichlorbenzole) sind uns mittlerweile ein Begriff. Es war der Chemiegigant BASF, dem in seinem Werk Ludwigshafen ein kleines „Missgeschick“ passiert ist. Ganze fünf Wochen hat es gedauert, bis die BASF Verantwortlichen bemerkt haben, dass zwischen dem 25.08. und dem 29.09.2017 viel zu viel DCB in die TDI Produktion gerauscht ist. Mehr dazu auf Seite acht und neun in dieser Ausgabe.

Ein paar Worte allerdings noch zur publizistischen Bewältigung der Katastrophe. Da hat sich nämlich Dr. Ulrich Leifeld, Geschäftsführer der Essener Fachverbands Matratzenindustrie e. V. nicht nur Freunde gemacht, als er den Skandal frühzeitig thematisiert hat. Natürlich mit den besten Absichten. Es ging ihm um den Schutz „seiner“ Mitgliedsunternehmen aus der Matratzenindustrie.

Kalt erwischt hat er dabei allerdings die Polstermöbelproduzenten und auch die Automobilindustrie, die sich unverhofft mit dem Vorwurf konfrontiert sahen, mit vergifteten Sitzgelegenheiten die Volksgesundheit zu gefährden.

Erst als Achim Hannott, Sprecher des Verbandes der Deutschen Möbel Industrie (VDM), Bad Honnef, mit einer Klarstellung dazwischen grätschen konnte, hat sich die Lage ein wenig beruhigt.

Hannott schrieb am 13.10.2017: „Auch wir als Möbelindustrie können nach dem Produktionsfehler bei BASF Entwarnung geben. Die Verunreinigung des zwischen dem 25. August und 29. September 2017 hergestellten Toluoldiisocyanat (TDI) – einem Ausgangsstoff für den Spezialkunststoff Polyurethan – besitzt nach eigenen Überprüfungen und Messungen keine negativen Auswirkungen auf unsere Endprodukte und damit auf die hohe Qualität der Produkte der heimischen Möbelindustrie.“

Eine gesundheitliche Gefährdung könne „auf Grundlage der gestrigen Presseerklärung von BASF sowie eigener Überprüfungen“ ausgeschlossen werden.

Und auch Matratzen-Mann Leifeld gab schließlich Entwarnung. „BASF: Keine Gesundheitsgefahr durch Matratzen mit Dichlorbenzolen (DCB)“, lautete am selben Tag die Meldung aus der Essener Verbandszentrale. Damit war der Spuk zumindest für die Publikumspresse erst einmal vorbei. Das Thema bedeutungslos.

Interessant bei all dem ist jedoch der Blick über den Zaun: Denn der DCB/TDI Störfall ist bei Weitem nicht die einzige Panne im BASF Werk Ludwigshafen.

Fünf Tote, 28 Verletzte und einen Millionen-Schaden gab es vor genau einem Jahr, als dort eine Gaspipeline explodiert ist. Da ist das bisschen Gift, das jetzt zu viel verarbeitet wurde, allerdings eher zu vernachlässigen.

Und wer heute mal „BASF“ googelt, der liest fast nichts mehr über TDI und DCB, sondern mehr über höchst erfreuliche Quartalszahlen, die den BASF Aktienkurs beflügeln.

„Der Chemiekonzern BASF“, berichtet beispielsweise RNF (Rhein Neckar Fernsehen) habe im dritten Quartal dank einer guten Nachfrage nach Basischemikalien deutlich mehr verdient.

„Der Gewinn stieg um 50 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum auf 1,3 Milliarden Euro. … Der Umsatz kletterte um neun Prozent auf knapp 15,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) vor Sondereffekten legte wie von Analysten erwartet um 16 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro zu.“

Im Quartal wohlgemerkt. Da kratzt es die BASF Aktionäre naturgemäß wenig, wenn ein paar Matratzenkäufer schlechte Laune haben.

Ihr

Ralf Hartmann
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