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› Als ich vor mehr als zwei Jahrzehnten …
03.04.2018 … genauer gesagt im November 1995, von München ins nahe gelegene Taufkirchen/Vils gefahren bin, um - damals noch als Inside-Redakteur - den gerade inthronisierten himolla-Geschäftsführer Karl Sommermeyer zu interviewen, überraschte mich dieser mit einem originellen Rechenbeispiel. Er zählte die aktuellen Kosten zusammen. Also so und so viel Prozent für Material, für Personal, für all die schönen Dinge, die in einem Polstermöbelwerk wie himolla bezahlt werden müssen.

Als der frischgebackene himolla-Boss fertig war, habe ich zusammengezählt und kam auf genau 111 Prozent. Kosten. Meine erstaunte Rückfrage konterte Sommermeyer dann schmunzelnd mit der Feststellung: „Und wir machen aktuell 200 Millionen DM Umsatz. Das ist unser Problem.“

Fand ich gut. Und vor allem griffig. himolla machte also im Jahr 1995 ein Minus von gut 20 Millionen Euro.

Der Hintergrund: 1993 hatte Werner Welle die – nach Hukla – damalige Nummer zwei im deutschen Polstermöbelmarkt, himolla, dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds abgekauft und innerhalb von zwei Jahren drei Geschäftsführer verschlissen.

Das konnte so nicht weiter gehen, und so entschloss sich Welle, schweren Herzens, seinen besten Mann, Karl Sommermeyer, von Paderborn nach Taufkirchen zu versetzen, um die bayerische Polsterperle ans Laufen zu bringen.

Der Rest ist bekannt. Sommermeyer, für den in den Anfangsjahren das schönste an Taufkirchen der Flughafen München/Erding war – Linienflug nach Paderborn - bekam das Ding in den Griff, lebte sich ein, hätte jedoch damals sicher jeden ausgelacht, der ihm eine himolla Karriere bis ins Jahr 2018 vorausgesagt hätte.

Die geht nun zu Ende, und seinem Nachfolger, Ralph Bestgen, kann man nur Respekt zollen für das Selbstbewusstsein, eine solche Aufgabe zu übernehmen und viel Glück wünschen für das, was er sich da vorgenommen hat.

Was noch? „Als ob ein Zwangsgeld das größte Problem wäre…“, fragte letzte Woche das online Portal 4investors.de angesichts der jüngsten „Sensationsmeldungen“ rund um den Steinhoff Konzern.

Zitat: „Bei der Steinhoff Aktie rauscht es weiter im `Blätterwald´ - mal mehr, mal weniger gehaltvoll. Gestern stürzte man sich vor allem auf die Ankündigung der BAFin, Steinhoff mit 1,15 Millionen Euro Zwangsgeld zu belegen. Hintergrund ist die überfällige Bilanz des niederländisch-südafrikanischen Unternehmens für das abgelaufene Geschäftsjahr.“

Und weiter: „Das Zwangsgeld, das Steinhoff eventuell zahlen muss, ist allerdings eher eines der kleineren Probleme rund um die weiter fehlende Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr.“

Aber jeder Rülpser rund um die Steinhoff Misere hat ja aktuell ein Presseecho zur Folge, bei dem man sich oft genug fragt: Braucht`s das?

Ganz aktuell ist gerade wieder die Zeitschrift Capital mit einem – natürlich exklusiven –Interview ins Licht gerückt. Im Fokus Christo Wiese, Hauptaktionär der Steinhoff International Holding Ltd. und bis vor Kurzem auch Aufsichtsratsvorsitzender des am Abgrund stehenden Unternehmens.

Wieses Kernaussage in Richtung des geschassten ehemaligen Steinhoff CEO Markus Jooste: „Wenn dein Management, erst recht auf hoher Ebene, einen Betrug begeht, den die Wirtschaftsprüfer nicht entdecken", dann sei das Unternehmen sehr verwundbar.

Auch hierzu äußert sich 4investors.de und gibt zu bedenken: „Ob das Interview reine Offensiv-Taktik Wieses ist, darüber dürfte heiß diskutiert werden. Wer bei Steinhoff neben Jooste alles von den Manipulationen wusste, die derzeit untersucht werden, ist unklar. In Südafrika, wo Steinhoff sein Quartier hat, glauben allerdings viele, dass die Bilanzakrobatik dem Board des Konzerns und damit vor allem dessen Vorsitzenden Wiese kaum verborgen geblieben sein dürften.“

Von Markus Jooste gebe es zu den Vorwürfen übrigens keinen Kommentar, der ehemalige Manager sei nicht erreichbar. Aber auch hier ist das letzte Wort natürlich noch lange nicht gesprochen.

Ihr Ralf Hartmann
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