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16.07.2018 … dass wir uns auch in der deutschen Fach- und Tagespresse neuerdings regelmäßig mit dem österreichischen Möbelmarkt beschäftigen – insbesondere mit der Lage im Möbelhandel – macht es durchaus Sinn, sich mal wieder mit dem aktuellen Zahlenwerk der Austria Händler befassen. Hilfreich hierbei ist die aktuelle Untersuchung des Wiener Marktforschungsinstituts RegioData Research, die soeben vorgelegt wurde.

„Möbelhandel setzte 2017 um 2,8 Prozent mehr um“ titelt dazu die APA – Austria Presse Agentur in Wien und berichtet, dass der heimische Möbelmarkt „nach einer langen Phase der Stagnation“ im vergangenen Jahr erstmals wieder gewachsen sei.

Den Gesamtumsatz des österreichischen Möbelhandels beziffert RegioData demnach für das Jahr 2017 auf rund 5,3 Milliarden Euro. Wenig überraschend, dass sich weiterhin drei „Möbelriesen“ rund zwei Drittel der Möbelhandelserlöse in Österreich teilen: XXXLutz, kika/Leiner und IKEA.

Zwei Drittel von 5,3 Milliarden das sind immerhin gut 3,5 Milliarden Euro für die großen Drei der Alpenrepublik. Der Rest muss sich die übrigen knapp 1,8 Milliarden teilen.

Natürlich sind auch die zwei Drittel nicht gerecht verteilt. Für die Nummer Eins im Austria Handel, XXXLutz, hat RegioData 29% Marktanteil errechnet. Das wären 1,537 Milliarden Euro, die der auch in Deutschland bestens etablierte österreichische Möbelriese im Heimatland erlöst.

Erstaunlich wenig, angesichts der Zahlen, die XXXLutz aktuell zum eigenen Gesamtvolumen veröffentlicht: 4,2 Milliarden Euro europaweit ohne den Discounter POCO, der weitere 1,6 Milliarden auf die Waage bringt.

Für kika/Leiner, gerade von dem Tiroler Immobilien Investor René Benko wieder in die Spur gesetzt, haben die Marktforscher einen Marktanteil von rund 20 Prozent errechnet. Das wären immer noch über eine Milliarde Euro (1.060 Millionen) für die ehemalige Steinhoff Tochter. Klingt angesichts der Querelen in den letzten Monaten eher etwas zu hoch gegriffen.

Bleibt die Nummer drei, IKEA, die mit 16% Marktanteil auf 884 Millionen Euro Austria Erlöse käme. - Käme deswegen, weil die österreichische IKEA Chefin Viera Juzova erst im Dezember letzten Jahres die Erlöse für das Geschäftsjahr 2016/2017 (31.08.) mit 722,8 Millionen Euro (inkl. MwSt.) beziffert hat.

Da stimmt entweder der Marktanteil nicht, oder das Gesamtvolumen, das RegioData errechnet hat. Oder beides. Wobei das große Ganze für einen groben Eindruck allemal hilfreich ist.

„Am besten performte der schwedische Möbelkonzern Ikea“, schreibt dazu die APA, denn die Schweden hätten ihre Umsätze bei gleichbleibender Fläche weiter ausbauen können. Zudem seien die Quadratmeterumsätze der acht österreichischen IKEA Standorte „mehr als dreimal so hoch wie bei den anderen beiden Topplatzierten“.

Ganz hoffnungslos sehen die Marktforscher die Lage für den Rest der Austria Händler übrigens auch wieder nicht. Zitat: „Das stärkste Wachstum verzeichneten im Vorjahr aber sogenannte Verbund- bzw. Marketingvereinigungen, wie beispielsweise Garant Möbel, MHK Group, WohnUnion oder Europa Möbel.“ Insgesamt besäßen diese bereits einen Marktanteil von 22 Prozent. Wenn das so ist, würde es für die Anderen doch recht eng. Die nämlich müssten sich die übrigen 11,4 Prozent vom Umsatzkuchen (604,2 Millionen Euro) untereinander aufteilen.

Zahlenspielereien. Aber auch bei anderen Ergebnissen von RegioData Research bleiben Fragen offen. Mit 31 qm pro 100 Einwohner weise Österreich derzeit die europaweit höchste Verkaufsflächendichte auf. Und: Durchschnittlich habe jeder Österreicher im letzten Jahr 746 Euro für Möbel und Einrichtungsgegenstände ausgegeben.

Kommt nicht ganz hin. Denn teilt man die Möbelumsätze in Höhe von angeblich 5,3 Milliarden Euro durch die 8,77 Millionen Österreicher, die laut Statista im letzten Jahre erfasst wurden, dann kommt man auf pro Kopf Ausgaben für Möbel und Einrichtungsgegenstände in Österreich von 604 Euro.

Liegen die Ungenauigkeiten des Zahlenwerks möglicherweise am Onlineanteil im Möbelhandel, den RegioData mal eben locker auf 10 Prozent geschätzt hat? Ohne diese Zahl näher zu präzisieren.

Oder bestätigt sich einmal mehr die Binsenweisheit, die da lautet: „Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!“ - Man weiß es nicht.

Ihr Ralf Hartmann
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