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24.10.2018 … liegt zwischen den beiden hülsta Meldungen auf Seite 1 und Seite 4 in dieser HartDran Ausgabe Nummer 411. Bei Halco klang die Mitteilung wie immer. Die Hüls Gruppe wirft letzten Ballast ab, um die alternde Marken-Ikone hülsta weiter durchfüttern zu können. Halco geht den gleichen Weg wie Arte M (liquidiert zum 31.03.2017). Andere stolze Hüls Töchter wie RUF Betten, Parador, Rolf Benz oder eher weniger profitable Unternehmen wie Loddenkemper und Femira wurden verkauft.

Eingeleitet hatte den Ausverkauf zu Gunsten der hülsta Rettung der Rustikal-Sanierer Oliver Bialowons, der im April 2017 „einvernehmlich“ gehen musste, obwohl sein Zeitvertrag noch bis Ende 2017 lief.

Vermutet wurde damals, dass der Restrukturierungsgeschäftsführer (CRO) der Hüls-Unternehmensgruppe gehen musste, weil er den Bogen überspannt hatte. Eine Radikalsanierung plante.

Und die gibt es jetzt wohl ohne ihn. Denn es scheint ganz so, als sei Bialowons` Nachfolger Paul Jähn vom Beiratschef Ludwig Hüls autorisiert worden, das Hüls Engagement im Möbel-Business mittelfristig komplett zu beenden. Mehr dazu auf Seite 1 in dieser Ausgabe.

Die einen gehen, die anderen steigen ein. Mit großem TamTam wurde Anfang Oktober der Börsengang des Münchener Online Händlers Westwing begleitet.

Und zunächst mal war die Anleger Journaille schier aus dem Häuschen, was die Zukunft der Westwing Aktie betraf.

„Starke Nachfrage“ und „Rocket-Beteiligung Westwing macht Tempo beim Börsengang“, schrieb am 04.10.2018 das Anlage-Magazin „Der Aktionär“ und berichtete geradezu euphorisch über den bevorstehenden Börsengang des Online Möbelhändlers.

Textprobe: „Der Umsatz ist seit 2013 pro Jahr im Schnitt um 26,5 Prozent gestiegen, allein im ersten Halbjahr 2018 gingen rund 1,2 Millionen Bestellungen ein, 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.“ - Von den jeweils zweistelligen Millionenverlusten im selben Zeitraum ist keine Rede.

Als der Westwing Kurs unmittelbar nach der Erstnotierung flott nach unten ging, klang die Begleitmusik aus der Expertenschar der Börsen-Journalisten aber plötzlich ganz anders.

„Das Börsendebüt des Online-Möbelhändlers Westwing ist misslungen“, schrieb boerse-online.de. Zwar habe der erste Kurs am Dienstag, 09.10.2018, mit 26,49 Euro noch über dem Ausgabepreis von 26 Euro gelegen. Doch dann seien die Papiere an der Frankfurter Börse auf Talfahrt gegangen und um bis zu 13 Prozent auf 22,51 Euro abgestürzt.

Und Börsenexperte Volker Glaser legte als Gastautor von wallstreet-online.de richtig los. Plötzlich war der Westwing Börsengang das „absurdeste IPO des Jahres 2018“. Das Unternehmen sei „eine echte Geldvernichtungsmaschine!“.

Klare Ansage: „Wir können vor diesem Börsengang und der Aktie nur warnen. Unserer Meinung nach hat das Unternehmen an der Börse nichts zu suchen. Es fehlt sogar an der Börsenreife.“

Und warum? Glaser geht in die Vollen: „Geld hat Westwing bisher nie verdient. 2017 versenkte die Bude satte 33 Mio. Euro bei Umsätzen von 220 Mio. Euro. In einer Studie der Berenberg Bank werden für 2018 Einnahmen von 259 Mio. Euro erwartet und ein bereinigtes EBITDA von 4 Mio. Euro. Netto werden erneut 14 Mio. Euro platt gemacht.“

Sexy, so Glaser weiter, sei das alles nicht. Und sein Fazit lautet: „Wir gehen davon aus, dass Westwing die Erwartungen der Berenberg Bank nicht erreicht.“ In der Spitze errechne sich für Westwing ein Börsenwert von „sage und schreibe bis zu 600 Mio. Euro“. Absurd! Meint Glaser. Und merkt an: „Die Kosten für den Börsengang könnten sich schätzungsweise auf ca. 7 Mio. Euro belaufen.“

Und weiter: „Erfolgreich scheint das Management indes beim Einsammeln von Geldern zu sein. In den letzten Jahren hat Westwing einen ordentlichen dreistelligen Millionenbetrag durch den Schornstein gejagt.“

Und so kommt der Börsenfachmann Glaser zu dem Schluss: „Wir raten, die Aktie von Westwing strikt zu meiden. Aufgrund der absurden Bewertung könnte die Aktie sogar ein Paradies für Shortseller werden. Per Ende Juni 2018 lag der bereinigte Buchwert pro Aktie übrigens bei 1.08 Euro je Aktie.“

So hat also jeder seine eigene Sicht auf erfolgreiche Geschäftsmodelle.

Ihr Ralf Hartmann
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