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› Über Pablo Picasso und Henry Ford... HD - 209
04.10.2007 ...haben wir uns hier noch nie ausgelassen. Zeit wird’s! Preisfrage: Was hat der momentan bewegungstechnisch reduzierte ehemalige Schieder-Boss Rolf Demuth mit Pablo Picasso am Hut? Keine Ahnung! werden Sie sagen, Demuth wollte doch eigentlich immer mit Henry Ford verglichen werden.

Ehrlich gesagt kenne ich Rolf Demuth auch nicht so gut, dass ich jetzt beurteilen könnte, wo seine kunsthistorischen Interessen enden. Sicher ist jedoch, dass zumindest ein kleiner Teil der Demuthschen Hinterlassenschaft nicht zuletzt dank Pablo Picasso dem Möbelmarkt erhalten bleibt.

Wie das? Ganz einfach. Nicolas Berggruen (46) ist der Sohn des Bekannten Kunstmäzens Heinz Berggruen, und der wiederum hat sein nicht unbeträchtliches Vermögen auch als Freund und Händler Pablo Picassos erworben.

Die Berggruen Familienholding nämlich, kein klassischer Hedgefonds, wie Sie dem Bericht auf Seite eins dieser Ausgabe entnehmen können, sondern ein eher philantropisch gestimmter Investitions-Konzern hat das Tafelsilber der Schieder-Gruppe, die IMS AG, Bendern, erworben und so eine ordentliche Summe von nicht bestätigten 75 Mio. Euro in die leeren Kassen des Schieder-Insolvenzverwalters gespült.

Ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts einer Schadenssumme von 400, eher wohl 500 Mio. Euro, die bei den misslungenen Aktionen der verantwortlichen Schieder-Manager in den letzten Jahren aufgelaufen sind. Die üppigen Kosten für Beratung und Insolvenzverwaltung noch gar nicht gerechnet.

Amateur-psychologisch nachvollziehbar ist es zwar, dass sich Schieder-Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz jetzt als Retter tausender von Arbeitsplätzen feiern lässt, aber der geniale Deal mit den Berggruen-Erben gibt in diesem Kontext eigentlich wenig her.

Arbeitsplätze werden gerettet. Fast ausschließlich in Polen zwar, aber auch da müssen die Leute ihren Lebensunterhalt verdienen. Es stellt sich dabei übrigens die Frage, ob die Arbeitsplätze in Polen überhaupt gefährdet waren.

Die meisten der jetzt von Berggruen übernommenen polnischen IMS-Fabriken waren nämlich gar nicht insolvent, sondern von der Schieder-Pleite nur insofern betroffen, als ihr Vermarkter abhanden zu kommen drohte.

Auch was die anderen Übernahmen irgendwelcher Schieder-Firmen angeht, sollten Sie nicht alle diesbezüglichen Meldungen bei denen bislang vollkommen unbekannte polnische Möbel-„Könige“ eine Rolle spielen, für bare Münze nehmen.

Insolvente Firmen zu übernehmen, das ist in Polen nicht ganz so einfach wie hierzulande. Und daraus könnte man folgern, dass die aktuell übernommenen Firmen, seien es die von IMS oder auch MCA entweder gar nicht pleite sind oder noch gar nicht übernommen wurden. IMS selbst war ja auch niemals beim Amtsgericht sondern fungierte nur als Faustpfand für die üppigen Schieder-Schulden.

Kann Ihnen und mir letztendlich egal sein. Wir beteiligen uns ja nicht am Geschacher um die Reste des Demuth-Imperiums. Die überwiegende Mehrheit unter uns zumindest. Den Verwertern und Vermarktern all der Dinge, die noch übrig sind wünschen wir derweil viel Glück und ein wenig mehr Augenmaß beim publizistischen Überhöhen relativ nebensächlicher Sachverhalte.

Bei Schieder, das ist sicher, gibt es kaum noch was zu retten, und immer mehr Marktteilnehmer wollen das nicht einmal wirklich bedauern.

Ihr

Ralf Hartmann
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