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› Erst einmal so richtig auf die Pauke hauen...HD - 213
20.12.2007 ...das Maximum fordern und sich dann langsam auf die angestrebte Zielgröße runterhandeln lassen. Diese Strategie – eigentlich pures Basarverhalten – greift jetzt auch in ihrer ganzen Vielfalt in der Möbelbranche Raum.

Beispiel eins: Das ewige Problem Randsortimente als Stolperstein für neu geplante Möbelhäuser. VME-Mitglied Georg Stephan hat zum Beispiel in Ingolstadt 60.000 qm Verkaufsfläche und davon 8.500 qm für „innenstadtrelevante Zusatz-Sortimente“ beantragt. Lautes Aufjaulen der Behörden und dann eine Genehmigung für 50.000/4.750 qm waren das Ergebnis.

Beispiel zwei: Arbeitsplatzabbau. In wahren Horrorszenarien hat beispielsweise Dr. Georg Kellinghusen als knallharter ALNO-Sanierer die Zukunft der ALNO-Tochter Wellmann malen lassen. Hatte wohl bewusst und gezielt Gerüchte nicht dementiert, dass die einst so stolze westfälische Küchenperle nicht mehr zu retten sei - zumindest aber rund 80% der Arbeitsplätze zur Disposition ständen.

Ergebnis: 250 Arbeitsplätze (1/3 der Belegschaft) werden allein in Enger ersatzlos gestrichen, aber der Sanierer bekommt auch noch Superschlagzeilen. Er hat nämlich nicht etwa Massenentlassungen zu verantworten, die früher einen Sturm der Empörung hervorgerufen hätten. Nein er hat „500 Arbeitsplätze gerettet“. So viele Wellmänner bleiben nämlich – zunächst – in Lohn und Brot.

Eine Beschäftigungssicherung bis wenigstens 2010 ist dabei an "weitere Arbeitnehmerbeiträge" gekoppelt. Was harmlos klingt, aber ganz und gar nicht ohne ist. Intern sei zu hören, gibt wenigstens Hartmut Braun von der neuen Westfälischen Zeitung zu bedenken, „dass die Arbeitnehmer Teile von Sonderzahlungen und 2008 bis zu hundert Stunden unbezahlte Mehrarbeit einbringen“.

Dafür darf dann Wellmann mit 500 Beschäftigten und 170 Mio. Euro bis auf weiteres „einer der großen Küchenhersteller Ostwestfalens“ bleiben. Und die Gewerkschaft findet: „Das ist auch im Detail ein Ergebnis, mit dem sich gut leben lässt."

Vielleicht aber wird Wellmann ja auch nur sturmreif geschossen für einen lukrativen Verkauf an wen auch immer. Die Zitterpartie ist auch hier, wie in so vielen anderen Ecken der Möbelbranche noch lange nicht zuende.

Zur allgemeinen Schwarzmalerei sehe ich dennoch wenig Anlass. Es wird noch ein bisschen „Marktbereinigung“ geben, aber insgesamt sehe ich dem Möbeljahr 2008 mit großem Interesse und angemessenem Optimismus entgegen.

Ich wünsche Ihnen ein paar ruhige Tage und dass alle Ihre Wünsche in Erfüllung gehen

Ihr

Ralf Hartmann
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