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› Wenn die Heuschrecken ihre Beratertruppen aktivieren... HD - 214
11.01.2008 ...dann ist Kahlschlag angesagt. In einem Bericht zur Schieder-Pleite hat sich jetzt das Nachrichten Magazin „Der Spiegel“ dieses Themas angenommen und ist zu wahrlich erstaunlichen Ergebnissen gekommen.
„Auch in der Pleite gibt es Gewinner“, schreibt das Blatt unter der Titelzeile „Westfälische Bonanza“ und berichtet über die neue „Restrukturierungsindustrie“, die „im Umfeld des neuen Kapitalismus der Finanzinvestoren“ entstanden sei. Zu ihr gehörten „Sanierungsberater und Interimsmanager, Insolvenzberater und Rechtsanwälte, die sich gegen stolze Honorare am Turnaround angeschlagener Unternehmen versuchen“.
In Schieder-Schwalenberg, wo Rolf Demuth zwar Europas größten Möbelbauer geschaffen habe in Wirklichkeit aber über ein Unternehmen „mit den Entscheidungsstrukturen eines Dorfvereins“ herrschte, habe 2005 der globale Kasinokapitalismus Einzug gehalten. Mit Hilfe der WestLB habe die Schieder-Gruppe eine internationale „Finanzierung der Champion-League-Klasse“ erhalten, mit der sie „nicht umgehen konnte“.
Über 320 Millionen Euro Kreditvolumen seien schließlich verteilt worden, „mit bis zu 15 Prozent Zinssatz je nach Risiko“. Am Ende, so „Der Spiegel“ weiter, habe es „vier Gläubigergruppen aus deutschen Banken und deren ausländischen Töchtern, Investmentbanken und angelsächsischen Fondsgesellschaften“ gegeben, „deren Kredite unterschiedlich gut besichert waren“.
Mancher Geldgeber sei gleich in mehreren Gruppen vertreten gewesen und so sei Schieder fortan nicht mehr allein deutschen Mittelstandsbanken rechenschaftspflichtig gewesen, sondern eben auch „renditeorientierten Investmentbankern und Hedgefonds“.
Zitat: „Das Schicksal nahm seinen Lauf, als Patriarch Demuth im Januar 2007 in London vor Investoren Probleme in der Bilanz erwähnte. Die Tatsache als solche war nicht dramatisch, die Investoren aber wurden misstrauisch. Kreditversicherer begannen ihre Versicherungen aufzukündigen.
Und so beauftragten die Schieder Möbel Holding und vier ihrer Töchter die Investmentbank Houlihan Lokey am 31. Januar mit der Beratung des Unternehmens bei der >Finanziellen Reorganisation<; gemeint war damit die >Neuordnung der Verbindlichkeiten< in allen denkbaren Varianten bis hin zum Verkauf von Vermögenswerten und Schulden der Firma.“
Die Details zu den Abzockereien der Berater-Kohorten, die am Ende mit rund 20 Mio. Euro zu Buche schlagen sollen, können Sie unter anderem unter www.moebelnews.de im Internet unter der Überschrift „Bei der Schieder-Pleite haben sich viele Beteiligte die Taschen gefüllt“ nachlesen. Hier nur noch soviel:
Bei aller Bescheidenheit macht es uns immer wieder Freude, darauf hinzuweisen, dass wir – als einzige (Fach-) Publikation die Katastrophe nicht nur bereits im September 2005 haben kommen sehen (HartDran 170, „Der Riese wankt“), sondern, dass wir beispielsweise auf das Thema „Berater zocken bei Schieder ab“ auch schon vor Monaten hingewiesen haben.

Zitat aus meinem Kommentar vom 19.06.2007: „Zeit gewinnen müssen Berater und Experten wie Dr. Ulrich Wlecke und Co.! Und zwar aus einem durchaus nachvollziehbaren Grund. Die Honorar-Uhr tickt. Jeden Tag und jede Stunde. Das sind auch für so renommierte Beratungsfirmen wie AlixPartners keine Peanuts mehr, die da durch die Parkuhr sausen. Da klingelt`s richtig in der Kasse.“

Zum Schluss noch mal in eigener Sache: Falls Sie meinen, wir hätten das Thema „Messetermin Ostwestfalen“ verpennt, kann ich Sie beruhigen. Wir sind am Ball, halten es aber für wenig hilfreich, im Vorfeld über ungelegte Eier zu philosophieren, zumal die Verlegung der Herbstmesse auf einen Spätfrühling/Frühsommertemin ja wirklich ein uralter Hut ist.

Tatsache ist, dass M.O.W.-Chef Bernd Schäfermeier mal wieder eine Umfrage initiiert hat und dass sich einmal mehr eine Mehrheit der Aussteller wie auch der Besucher für einen Mai/Juni-Termin stark macht.

Das Kind jetzt mit dem Bade auszuschütten macht aus meiner Sicht aber überhaupt keinen Sinn. Am Messemontag (14.01.2008) steht das Thema in Köln auf der ZGV-Tagesordnung. Danach wird womöglich eine Empfehlung ausgesprochen. Dann gilt es, die anderen Messeveranstalter mit einzubinden – von Oberfranken über HM-Süd bis A30 – und was dann kommt, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche:

Es wird alles beim Alten bleiben.

Ihr

Ralf Hartmann
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