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› Von Mondpreisen und abenteuerlichen Rabattversprechen HD - 221
08.05.2008 Wohl selten bin ich so oft angerufen worden, wie Anfang dieser Woche, nachdem sich das ZDF-Magazin Wiso mit der Rabattpolitik der Möbelbranche auseinandergesetzt hat. „Wieso schreibst Du da nichts?“ „Endlich sagt es mal einer!“ „Jetzt hat sich der Gütebier selbst entlarvt.“ So lauteten die Kommentare vor allem aus dem mittelständischen Möbeleinzelhandel, aber auch aus der Industrie.

Ehrlich gesagt. Ich habe den Wiso-Bericht zwar gesehen, fand das ganze aber nicht gar so aufregend. Was da enthüllt wurde, angefangen bei dem Monate alten Rabatt-Urteil gegen Möbel Höffner, ist doch eigentlich ein uralter Hut, dachte ich. Das lockt doch keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.

Falsch eingeschätzt, wie sich jetzt herausstellt. Der von Michael Opoczinski moderierte Beitrag unter dem Motto „viel Rabatt und trotzdem teuer“ hat auch und gerade innerhalb der abgezockten Möbelbranche hohe Wellen geschlagen.

Die Wiso-Redakteure haben sich aber auch große Mühe gegeben. Und mit versteckter Kamera drei Möbelhändler wochenlang unter die Lupe genommen. Im Fokus: Der Discounter Roller, Mann Mobilia und „das Familienunternehmen Segmüller“.

Fazit: alle drei Händler zeichneten sich durch ein munteres rauf und runter bei der Preisgestaltung aus. Vor allem wurden überall Preise durchgestrichen, die zuvor gar nicht verlangt worden waren.

Richtig dicke kam es aber vor allem für Segmüller, nachdem eine Verkäuferin über die Preisfindungs-Aktivitäten des Atlas-Riesen ausgepackt hatte. Ein Kinderbett beispielsweise wurde innerhalb weniger Wochen ständig neu ausgepreist. Erst ging es von 279,- Euro auf 129,- runter, dann wurden fiktive 299,- Euro durchgestrichen und 194,- verlangt schließlich lautete „der beste Preis“ auf 189,-.

Großen Respekt vor Segmüller-Vertriebschef Reinhold Gütebier, der sich als einziger der Betroffenen Mondpreis-Händler den Fragen der Wiso-Redaktion gestellt hat. Gütebier hat sich damit aber nicht wirklich einen Gefallen getan. Denn Wiso-Moderator Opoczinski brauchte nicht lange, um den obersten Segmüller-Angestellten in die Enge zu treiben.

Gütebier wartete zunächst mit abenteuerlichen Begründungen für die Rabattschlachten auf. Auf Druck der EU – „die Preise müssen innovativer werden“ – sei es vor Jahren überhaupt erst zu den heutigen Rabattschlachten gekommen, nachdem das Rabattgesetz gekippt worden sei. Früher hätte es die Herstellerempfehlung gegeben, seitdem habe der Kunde „gewünscht, Rabatte zu kaufen“.

Mit der Aussage einiger Hersteller konfrontiert, es gebe überhaupt keine Herstellerempfehlung, deshalb könne der durchgestrichene Preis nur ein Mondpreis sein, kommt Gütebier ins Faseln. Segmüller habe bei vielen Herstellern „hervorragende Einkaufspreise“ weil diese ihre Überkapazitäten und Lagerbestände oft zum Einstandspreis oder gar darunter herausrücken müssten.

Diese Möbel hätten jedoch trotzdem einen höheren Marktwert und das sei dann eben der durchgestrichene Preis. Gütebier: „Der durchgestrichene Preis ist der eigentliche Marktpreis.“ Ein Mondpreis sei das deswegen noch lange nicht. Auch wenn dieser Preis zuvor nie verlangt worden sei.

In jüngster Zeit, so der Segmüller-Boss weiter, sei der bayerische Filialist ohnehin dazu übergegangen, ganz auf Rabatte zu verzichten und werbe jetzt mit dem Slogan „Der beste Preis schlägt jeden Rabatt.“ Beziehungsweise: „Nicht der höchste Rabatt ist der beste Preis.“ Klingt gut.

Als Gütebier aber vom Moderator darauf aufmerksam gemacht wird, dass auch im Rahmen dieser Kampagne eine Couchgarnitur von 1786,- Euro auf 1848,- hochgezeichnet wurde und das dann ja wohl kaum noch der beste Preis sein könne, kontert Gütebier zunächst sprunghaft mit nebulösen Preiserhöhungen einzelner Hersteller und hat dann ohnehin die Schnauze voll.

Abgestimmt, so der Segmüller-Mann werde an der Kasse. Und da Segmüller – vermutlich meinte er Weiterstadt – das umsatzstärkste Möbelhaus Deutschlands sei, könne man ja nicht wirklich alles falsch gemacht haben. Das war allerdings nicht Thema der Wiso-Recherchen.

Bleibt die Empfehlung für „seriöse“ Möbelhändler, sich den Wiso-Bericht unter www.zdf.de (Link: Mediathek) herunterzuladen und für solche Kunden bereitzuhalten, die mit der Rabattwerbung der Möbelriesen im Kopf Möbel am liebsten geschenkt haben wollen.

Dann kehrt mit viel Glück vielleicht auch im Möbelhandel wieder ein wenig mehr Vernunft ein.

Ihr

Ralf Hartmann
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