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› Wenn jeder seinen Senf dazu gibt... HD - 222
29.05.2008 ...dann kommt meist Kraut mit Soße dabei heraus. Wohl selten habe ich so ein Theater erlebt, wie bei der künstlich zum Politikum hochstilisierten Diskussion um den Messetermin der Möbel Order Messe Westfalica (M.O.W.).

Dabei wird der unvoreingenommene Beobachter das Gefühl nicht los, dass viele von denen, die sich jetzt mit Schaum vor dem Mund zu Wort gemeldet haben, vielleicht zuvor mal kurz auf Nachdenken hätten schalten sollen, bevor sie eine breitere Öffentlichkeit mit ihren flammenden Appellen in Aufruhr versetzen.

So stürmte beispielsweise VDM-Geschäftsführer Dirk-Uwe Klaas mutig voran mit der Feststellung, die M.O.W. vom Herbst in das Frühjahr zu verlegen sei eine Sache, sie dabei im Jahr 2009 auf den Termin der interzum zu legen aber „ein Stück aus dem Tollhaus“.

Wer das Statement genau gelesen hat, musste freilich bemerken, dass Klaas dabei nicht für die Möbelindustrie (VDM) gesprochen hat sondern lediglich für den HDH, in dem vor allem interzum-Aussteller vertreten sind.

Wer sich außerdem die Mühe gemacht hat, das M.O.W.-Statement (siehe Seite 1) genau zu lesen, hätte unschwer erkennen können, dass der anvisierte neue Termin bestenfalls an einem einzigen Messetag mit der interzum kollidieren würde. Aber wer liest schon gern genau, wenn es doch reicht, die Formulierung „Stück aus dem Tollhaus“ weiter zu tragen?

Ebenso publikumswirksam wie emotional äußerte sich auch Hans Strothoff in seiner Eigenschaft als BVDM-Präsident: Bis auf „wenige Ausnahmen“ sei der Handel mit dem bisherigen Termin zufrieden, lehnt sich Strothoff keck aus dem Fenster, vergisst dabei jedoch Schwergewichte wie Begros, VME, Alliance und andere wichtige M.O.W.-Besucher. Die haben sich nämlich frühzeitig zum Status „wenige Ausnahmen“ bekannt und eine Terminverlegung nachhaltig befürwortet. Im besten Einverständnis übrigens mit der deutlichen Mehrzahl aller M.O.W.-Aussteller, die eine Terminverlegung laut Umfrage ohnehin favorisiert haben.

Für Strothoff, der trotz seines BVDM-Amtes vielleicht doch immer noch ein wenig zu stark „in Küchen“ denkt, gibt es dennoch „keinen vernünftigen Grund, die M.O.W. ins erste Halbjahr zu verlegen“ und so stellt sich der MHK-Boss mit der ihm eigenen Grandezza vermutlich gegen die Mehrheit seiner Mitgliedsunternehmen im Bundesverband des deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM).

Dass die Küchenmöbelproduzenten ohnehin am Herbsttermin festhalten wollen, daran bestand ganz nebenbei von Anfang an kein Zweifel. Und viele Marktteilnehmer, die sowohl Wohnmöbel als auch Küchen vermarkten, sind eigentlich heilfroh, dass die Termine A 30 und M.O.W. endlich auseinandergelegt werden sollen.

Weil beides, M.O.W. und A 30, innerhalb einer Woche kompetent abarbeiten zu wollen, ist eigentlich nicht möglich.

Überhaupt ist es einigermaßen absurd, A 30 und M.O.W. in einen Topf zu werfen. Die überwiegende Anzahl der A 30-Kunden sind Inhaber kleiner Küchenstudios, die mit der M.O.W. ohnehin nie etwas am Hut hatten. Insofern gehen der A 30 durch eine Trennung der Termine ebenso wenig Besucher verloren, wie der M.O.W., da es sich um eine – in großen Teilen - völlig unterschiedliche Klientel handelt.

Andererseits sind solche Unternehmen, die sich für beide Veranstaltungen interessieren, sicher froh über die Terminverschiebung, weil (siehe oben) beides gleichzeitig - eigentlich geht das gar nicht!!!

Etwas pfiffiger argumentiert da schon Wolfgang Kranz: Wenn der Möbelhandel schon der Meinung sei, so der KölnMesse-Geschäftsführer auf Anfrage, im Spätsommer unbedingt neue Ware in seinen Häusern zeigen zu müssen, dann sei auch der Mai-Termin schon zu spät. Deshalb werde er allen M.O.W.-Ausstellern anbieten, doch besser die imm cologne für eine Neuheiten-Präsentation zu nutzen.

Umgekehrt wird allerdings auch ein Schuh daraus. Wenn sich die M.O.W. im Mai etabliert, könnten die Möbel-Hersteller den Kölner Januar-Termin ebenso gut als Preview nutzen, um Neuheiten anzutesten und bis Mai eventuell noch zu perfektionieren.

Geordert wird - zumindest von den maßgeblichen deutschen Handelskunden - in Köln doch schon lange nicht mehr, insofern passen Januar und Mai eigentlich prima zusammen.

Aber wer kann es schon allen recht machen?

Ihr

Ralf Hartmann
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