|
||
|
06.11.2008
...dann hat er mein allergrößtes Verständnis. Riskieren wir also einen Blick über den Tellerrand.
Die Autokrise, schreibt beispielsweise Florian Brückner im Handelsblatt, treffe vor allem die 20.000 Händler massiv. Experten rechneten derzeit damit, dass rund 10 Prozent aller Unternehmen in Insolvenz gehen könnten. 25.000 Jobs der Branche seien in Gefahr. Wie das? „Die glorreichen Zeiten von einst, als ein Neuwagen nach dem anderen vom Hof fuhr, als das Geschäft mit Autos noch satte Gewinne abwarf, sind im Autohandel längst vorbei“, schreibt das Handelsblatt. Dennoch wolle man beim Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) das Wort „Pleitewelle“ nicht in den Mund nehmen. Zweifellos sei aber die tiefe Krise, in der die Branche steckt, auch in der Bonner Verbandszentrale längst angekommen. Das laufende Jahr 2008 sei anders, als alle vorherigen, bestätigt denn auch ZDK-Sprecher Helmut Blümer und fügt hinzu: „Jeden Tag geht ein Unternehmen in die Insolvenz.“ Das alles sind Dinge, die in der Möbelbranche absolut nicht neu sind. Lustig ist dabei nur, dass der Bundesverband des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM) noch immer von rund 10.000 Möbelfachhändlern in Deutschland ausgeht. Eine Zahl, die schon seit zwei Jahrzehnten durch die Möbellandschaft geistert, und das, obwohl auch im Möbelhandel mindestens ein Geschäft pro Tag für immer dicht macht - und das seit Jahren. Was die Automobilbranche gerade durchlebt, davon kann die Möbelbranche also seit langem ein trauriges Lied singen. Trotzdem ist es bislang zumindest noch alle Jahre weiter gegangen. Aber zurück zum Autoverkäufer. Zitat: „Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres mussten 6,2 Prozent der Autohändler die Waffen strecken. Und zwar nicht nur Betriebe, die sich übernommen oder nicht sauber gewirtschaftet haben. >Die Qualität der Unternehmen, die insolvent gehen, das ist neu<, wundert sich ZDK-Sprecher Blümer und meint damit vor allem mittelständische, einst grundsolide Autohäuser in Familienhand.“ Und woran liegts? Ein Hauptschuldiger für die Malaise sei oft schnell gefunden, meint das Handelsblatt. „Die Finanzkrise soll es sein, sagen zumindest die Autohersteller, wenn sie schlechte Zahlen vorlegen oder die Produktion in ihren Werken drosseln oder gar wochenlang aussetzen müssen.“ Bei Fachleuten wie Professor Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg, sorgte das allerdings nur für Kopfschütteln: „Es ist einfach sachlich falsch, alles Miese auf die Finanzkrise zu projizieren“, sagt Meining. Schuld an der Schieflage der Autowelt seien beispielsweise Überkapazitäten bei den Herstellern. Bis auf Porsche würden alle namhaften Unternehmen mehr produzieren als der Markt verkraften könne. Folge: „Die Fahrzeuge müssen um jeden Preis in den Markt gedrückt werden.“ Neue Autos blieben aber auch deswegen unbeachtet stehen, weil die Hersteller Autos auf dem Markt geworfen hätten, die vor allem an vielen Privatkunden schlicht vorbeigehen. Stichworte hier: Falsche Antriebe, etwa fehlende Hybrid-Motoren bei den deutschen Herstellern, und technische Finessen, die viel kosten, aber wenige Kunden wirklich haben wollen. Und last but not least kämen vielen Autohändlern heute ihre neu errichteten Glaspaläste und aufwändigen Showrooms teuer zu stehen, für die sich nicht wenige Unternehmer – ähnlich wie im mittelständischen Möbeleinzelhandel übrigens - stark verschuldet hätten. Während die Autohändler sich damit aber deutlich übernommen zu haben scheinen, feiert der Möbelhandel fröhliche Urständ, investiert Millionenbeträge in den Wettbewerb „Wer hat das schönste Haus im Land?“ und setzt voll auf die Karte: „Wer übrig bleibt hat gewonnen!“ Und aktuell sind doch immer noch gewaltig viele Unternehmen „übrig“ auch wenn die Konzentration zweifellos zugenommen hat. Trotzdem scheint die überwiegende Zahl der Möbelhändler noch immer auskömmlich wirtschaften zu können. In persönlichen Gesprächen höre ich hierzu eigentlich ständig: „So dramatisch ist die Situation bei uns eigentlich gar nicht.“ Liegt vielleicht auch daran, dass der Möbelhandel den Schrumpfprozess schon ein gutes Stück weit hinter sich gebracht hat. Das haben die Automobilisten ganz offenbar noch vor sich. Und die Finanzkrise. Die ist eben doch nicht an allem schuld Ihr Ralf Hartmann |
|