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› Erst Kurzarbeit und dann?
04.12.2018 Poggenpohl speckt ab Weitestgehend unbemerkt von Fach- und Lokalpresse kam es bereits im August dieses Jahres zu Diskussionen um die Auftragslage beim Herforder Edelküchenproduzent Poggenpohl Möbelwerke GmbH. Kurzarbeit stand ins Haus für die 344 Mitarbeiter am Standort Herford, aber in der Öffentlichkeit blieben solche Pläne unkommentiert.

Erst in der zweiten Oktoberhälfte beschäftigte sich u.a. Mareike Gröneweg in der Neuen Westfälischen Zeitung unter der Headline „Kurzarbeit bei Poggenpohl“ mit dem Thema. Ließ sich aber vom Betriebsratsvorsitzenden des Unternehmens, Andreas Ott, flott wieder ausbremsen mit den Worten „derzeit wird einen halben bis maximal einen ganzen Tag pro Woche weniger gearbeitet".

Aber das sei „nicht sehr besorgniserregend", da die Angestellten von Poggenpohl beispielsweise im vergangenen Jahr von Februar bis Dezember täglich zwei Überstunden gemacht hätten. Zudem variiere die Arbeitszeitreduzierung in den einzelnen Abteilungen. Die Verwaltung sei weniger von der Kurzarbeit betroffen als die Fabrik, was der Auftragslage geschuldet sei.

Die Kurzarbeit sei laut Beschlüssen zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat auf ein Jahr angelegt und es werde von Woche zu Woche entschieden, um wie viel die Arbeitszeit reduziert wird. Begründet werde die Kurzarbeit mit der Auftragslage.

Hintergrund: Poggenpohl ist bei einer Exportquote von 80% extrem abhängig vom Auslandsgeschäft, aktuell vor allem in Fernost. Konkret seien Projekte mit großem Volumen ins nächste Jahr geschoben worden erklärte eine Woche später Gernot Mang (FOTO), der erst im Juni dieses Jahres als Geschäftsführer mit dem Verantwortungsbereich Vertrieb, Marketing und Produktmanagement nach Herford gekommen war. Und nach dem überraschenden Ableben seines Geschäftsführerkollegen Thomas Kredatus zur Zeit als Alleingeschäftsführer agiert.

„Wir sind stark im Objektgeschäft“, sagte Mang, und in diesem Bereich hätten sich Projekte für den asiatischen Raum mit großem Volumen ins nächste Jahr verschoben. Deswegen habe man in Abstimmung mit dem Betriebsrat seit August die Produktionskapazitäten in Abstimmung mit dem Betriebsrat angepasst. Und fügt hinzu, das sei ja nicht das erste Mal bei Poggenpohl so.

Das war Ende Oktober. Und damit hätte es gut sein können, wenn nicht wenige Tage später dann doch von Entlassungen bei Poggenpohl die Rede war. „Personalabbau bei Poggenpohl: 70 Mitarbeitern droht Kündigung“ lautete am 14.11.2018 der Titel in der NW. Was war geschehen?

Am Dienstag, 06.11.2018, habe es eine von der Geschäftsführung einberufene Mitarbeiterversammlung bei Poggenpohl gegeben, auf der erstmals von bis zu 70 Kündigungen die Rede gewesen sei. Eine Woche später, am 13.11.2018, seien diese Pläne auf einer Betriebsversammlung konkretisiert worden. Entlassungen seien unumgänglich habe es geheißen.

Das Unternehmen wolle die Anzahl der aktuell 350 Beschäftigten um 20 Prozent reduzieren. Diese Zahlen habe der bei der IG Metall für die heimischen Küchenmöbler zuständige Gewerkschaftssekretär Frank-Olaf Branka genannt.

Poggenpohl-Geschäftsführer Gernot Mang habe diese Eckpunkte jedoch nicht bestätigen wollen, da sie Gegenstand der jetzt anstehenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat seien. Bekräftigte aber konkret: „Wir müssen deutlich die Kosten senken, um wieder in die Prosperität zu kommen.“

Stand heute: In diesem Jahr passiert gar nicht mehr. Allerdings läuft per 31.12.2018 ein Standort-Stärkungsvertrag aus, in dem flexiblere Arbeitszeiten fixiert worden waren.

Diese Arbeitszeiten, so Gewerkschaftssekretär Frank-Olaf Branka, sollten aber im Rahmen der jetzt anstehenden Umstrukturierungen von 35 auf 40 Wochenstunden angehoben werden. Die Frage nach einem Lohnausgleich werde noch verhandelt.

Und, so lautet Brankas Statement zum aktuellen Stand der Dinge laut NW: „Derzeit verhandeln Betriebsrat und Geschäftsführung in einem ersten Schritt den Personalabbau. Darin geht es um den noch nicht feststehenden Zeitpunkt der Kündigungen und den Sozialplan. Für Sonderzahlungen und Arbeitszeit ist in einem zweiten Schritt die Gewerkschaft zuständig."

Poggenpohl gehört seit Februar 2017 zur ADCURAM Group AG mit Sitz in München.

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