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› Westwing als Meister im Rausreden
13.08.2019 Der Online Möbelhändler dessen Börsenkurs seit der Erstnotierung im Oktober letzten Jahres um über 80% von 26,00 auf 4,00 Euro abgesackt ist, meldet wenig überraschend einen holprigen Start ins Jahr 2019. „Online-Möbelhändler Westwing kämpft mit Umsatzrückgang und operativem Verlust“ schreibt beispielsweise dpa und tut gerade so, als wäre das überraschend, dass der Online Händler, der seit Gründung im Jahr 2011 regelmäßig zweistellige Millionen-Beträge in den Sand gesetzt hat, kein Geld verdient.

Die offizielle Westwing-Mitteilung zum Geschäftsverlauf April bis Juni dieses Jahres lautet wie folgt: „Das Wachstum im zweiten Quartal 2019 war mit einem Umsatz von EUR 58 Mio. (Q2 2018: EUR 58 Mio.) in etwa konstant. Während die Kundenloyalität weiterhin sehr hoch war, haben die Marketingaktivitäten das Wachstum der Kundenbasis noch nicht ausreichend vorangetrieben. Zudem umfasste das Sortiment nicht genügend hochkonvertierende Niedrigpreisprodukte. Darüber hinaus belasteten die Herausforderungen in Italien das Ergebnis.“

„Hochkonvertierende Niedrigpreisprodukte“, daran mangelt es also. Aber nicht nur das: „Die Profitabilität im zweiten Quartal 2019 (minus 5 Millionen Euro; Anm. d. Redaktion) wurde insbesondere durch die Auswirkungen eines verzögerten, aber zwischenzeitlich erfolgreich abgeschlossenen Lagerumzugs beeinträchtigt. Dies führte zu Einmalkosten und Ineffizienzen in der Logistik. Darüber hinaus führte der nahezu konstante Umsatz zu einem negativen operativen Hebel auf die Vertriebs- und Verwaltungskosten.“

Alles klar? Kein Grund zur Sorge also, denn: Die „Rückkehr zu profitablem Wachstum“ wird laut Stefan Smalla, Gründer und CEO von Westwing, „im vierten Quartal erwartet“. Und: „Dank der harten Arbeit unseres Teams sehen wir bereits Frühindikatoren, die in die richtige Richtung weisen." - Dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Allerdings muss zunächst mal wieder investiert werden: So sollen, um die Gewinnschwelle wieder erreichen zu können, unter anderem die Marketingkosten erhöht werden, um mehr Neukunden anzusprechen. Rund neun Millionen Euro habe der Shoppingclub im ersten Halbjahr für Werbung ausgegeben.

Aber Geld aus dem Börsengang ist noch einiges da. Zitat Smalla: „Die Netto-Cash-Position von Westwing ist mit EUR 78 Mio. nach wie vor sehr stark, und der Free Cashflow wird für den Rest des Jahres voraussichtlich nahezu neutral sein.“

Zur Erinnerung: Beim Börsengang im Oktober letzten Jahres flossen rund 120 Millionen Euro in die Westwing Kassen. Damals betrug der Börsenwert des Unternehmens bei insgesamt 20.740.809 Anteilscheinen rund 520 Millionen Euro. Ein Teil der Erlöse wurde zur Schuldentilgung genutzt ein Teil investiert. Jetzt sind noch knappe 80 Millionen Euro in der Kasse. Ziemlich genau so viel, wie Westwing an der Börse wert ist.

Die Online Plattform sharedeals.de, - „Das kurze Börsenleben der Westwing-Aktie (WKN: A2N4H0) … entwickelt sich zum Mega-Flop“ – hat etwas höhere Zahlen errechnet und schreibt: „Aktuell stehen die Cashreserven des Online-Anbieters von Möbeln und Textilwaren bei 92 Millionen Euro. Die Ertragslage bleibt eine große Baustelle, die Finanzlage mit dem Cashpolster von über 90 Millionen Euro (entspricht in etwa der Marktkapitalisierung) ist komfortabel und dürfte vorerst vor Schlimmerem bewahren.“ – Vorerst.
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