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› Die Koelnmesse und die imm cologne 2022
25.10.2021 Welt-Wirtschaftskorrespondent Carsten Dierig im Gespräch mit VDM Präsident Elmar Duffner und Koelnmesse Chef Gerald Böse „Die deutsche Möbelindustrie hat seit vielen Jahren großen Erfolg, weil sie regelmäßig in Köln ausgestellt und sich damit eine gewisse Marktposition erarbeitet hat.“

Mit dieser doch eher eigenwilligen Aussage überrascht Elmar Duffner, Präsident des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM) und Chef der Vivonio Furniture Group mit Sitz in München in einem Interview der „Welt am Sonntag“.

Zum Gespräch gebeten hatte Welt-Wirtschaftskorrespondent Carsten Dierig, der sich unter der Überschrift „Zukunft der Möbelmessen“ mit den Chancen der für Januar anstehenden imm cologne 2022 beschäftigt. – Weiterer Gesprächspartner: Koelnmesse Chef Gerald Böse.

Gesprächseinstieg: „Dieser Tage nun läuft die Stornierungsfrist für die Messe im Januar 2022 ab.“ Frage zur imm cologne 2022: „Stimmt der Name noch? Wie international kann die Messe in Zeiten von Corona und damit von Hygieneregeln und Reisebeschränkungen sein?“

Antwort Gerald Böse: „Sehr international sogar. Wir hatten kürzlich die Dentalmesse IDS bei uns auf dem Gelände – mit knapp 30.000 Fachbesuchern aus 114 Ländern.“

Und fasst im Bezug auf die Möbelmesse zusammen: Aktuell rechne man in Köln mit rund 800 Ausstellern, davon über 70 Prozent aus dem Ausland. Das sei noch nicht das Niveau der vergangenen Jahre. Aber unter dem Strich werde man wieder ein sehr umfassendes Möbelangebot in Köln haben.

Welt Korrespondent Carsten Dierig fragt sich dabei: „Warum wird die Möbelmesse gebraucht? Die Branche hat 2020 und 2021 sehr gut verkauft, obwohl die Messe coronabedingt ausgefallen ist.“

Und da steigt Elmar Duffner ein mit seinem eingangs zitierten Statement zur Bedeutung der Kölner Möbelmesse. - Und behauptet ernsthaft, durch die „Vorarbeit“ der Köln Aussteller in den vergangenen Jahren seien die Grundlagen geschaffen worden, „die uns nun einigermaßen stabil durch die Corona-Krise getragen haben“. Räumt aber auch ein, dass die Pandemie mit ihren Lockdowns das Thema Wohnen und Einrichten für die Verbraucher durch die viele Zeit zu Hause in den Fokus gerückt habe.

Hinzu komme, dass bei einer Reihe von Verbrauchern ausreichend Geld vorhanden sei „durch monatelang ausgefallene Urlaube und Restaurantbesuche“. Die Rahmenbedingungen seien also nie besser gewesen. Experten sprächen bei den 20er Jahren schon jetzt vom „Jahrzehnt des Einrichtens“. Duffner gibt aber zu bedenken: „Dieser Sonderfaktor hat den Ausfall der Messe in diesem Jahr teilweise kompensieren können. Das geht aber nicht jedes Jahr.“

Dabei lautet sein zweiter Kernsatz: „Wer als Möbelhersteller Geschäfte in Deutschland machen will, also im umsatzstärksten Möbelmarkt Europas, aber auch im Rest von Europa, der muss auf diese Messe.“ - Deshalb kämen auch so viele Aussteller aus dem Ausland nach Köln. Die Messe sei ein Marktöffner.

Wie viele Teilnehmer es letztendlich werden, das ist knapp drei Monate vor Beginn der Veranstaltung aber noch offen. Fest zugesagt haben aktuell rund 600 Aussteller. Zum Vergleich die Zahlen aus dem Messejahr 2020: 1.233 Aussteller (inkl. zusätzlich vertretener Unternehmen) aus 139 Ländern. 129.451 Fachbesucher.

Erfrischend offen beantwortet schließlich Messe Chef Gerald Böse die Frage: „Für die Koelnmesse ist die imm nach eineinhalb Jahren ohne Geschäft auch wirtschaftlich von immenser Bedeutung. Wie kritisch ist die Lage?“

Böse sagt: „Die Corona-Krise hat uns an unsere finanzielle Grenze geführt. Das kann und muss man so klar sagen. 2020 hatten wir Verluste von fast 110 Millionen Euro – und das bei einem Umsatz von nur noch gut 94 Millionen Euro.“ – Umsatz 2019: 400 Millionen Euro.

2021 kämen nochmal signifikante Verluste hinzu. Und auch 2022 werde man bei der Koelnmesse die Auswirkungen der Pandemie zu spüren bekommen. Böse: „Aktuell planen wir für das nächste Jahr mit 30 Prozent weniger Geschäft verglichen mit der Vor-Covid-Zeit. Trotzdem sind wir, was die Liquidität und andere Finanzkennzahlen angeht, bis Ende 2023 durchfinanziert – vorausgesetzt, es kommt nicht schon wieder ein Lockdown.“
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