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› Wenn sonst nichts mehr los ist… HD - 278
09.06.2011 …an der Nachrichtenfront, dann geht es eben ins Kuriositätenkabinett. Zunächst zu Schieder: Angeblich soll das Verfahren gegen Rolf Demuth und andere auch deswegen verkürzt worden sein, weil kein Geld mehr für die Verteidiger zur Verfügung stand.

„Angeklagten ging Geld für Anwälte aus - Millionen-Honorare im Fall Schieder.“ So überschrieb Christian Althoff, Schieder Möbel-Experte beim Westfalen Blatt, am 31.05.2011 einen Bericht, der den Prozess gegen die vier Hauptbeschuldigten der Schieder Möbel-Pleite aus einem ganz neuen Blickwinkel zeigt.

Die These: „Der Schieder-Prozess ist möglicherweise auch deshalb so schnell zu Ende gegangen, weil den Angeklagten das Geld für ihre Verteidiger ausgegangen war.“

Hintergrund: „Der Schieder-Konzern hatte vor Jahren bei HDI Gerling eine Versicherung abgeschlossen, dass Vorstandsmitglieder oder leitende Angestellte Schäden verursachen. Die Police erstreckte sich auch auf Verteidigungskosten, sollten strafrechtliche Vorwürfe erhoben werden.“

Dieser Fall trat im Frühjahr 2007 mit der Festnahme von vier Schieder-Managern ein. Die Versicherung übernahm nicht nur die Kosten für die Angeklagten Rolf Demuth, Andreas Hilbrink, Samir Jajawi und Franz-Josef Golüke, sondern bezahlte auch die Anwälte „zahlreicher anderer Beschuldigter im Fall Schieder, die sich in den kommenden Monaten erst noch vor Gericht verantworten müssen“.

Für insgesamt 2,5 Mio. Euro habe die Versicherung gerade gestanden, schreibt das Westfalen Blatt. Diese Summe sei als Höchstsatz im Vertrag vereinbart gewesen und mittlerweile aufgebraucht.

WB-Redakteur Althoff strickt daraus die These, dass „das Versiegen der Geldquelle“ nicht nur dazu geführt habe, „dass einige Anwälte auf ihren restlichen Honorarforderungen sitzengeblieben“ seien. Eine Auswirkung sei auch, „dass für künftige Schieder-Prozesse kein Geld der Versicherung mehr da ist“.

Kein Geld mehr da ist auch schon lange bei der Schieder-Nachfolgegesellschaft Schieder Wohnmöbelwerke in Schieder-Schwalenberg. Dennoch zieht sich eine endgültige Entscheidung wie Kaugummi.

Kurios dabei. Schon Anfang Mai, am 05.05.2011, habe ich an dieser Stelle berichtet, dass die für etliche Publikationen jetzt so überraschend aufgetauchte polnische Fabrykie Mebli Forte S.A., bzw. deren Inhaber Maciej Formanowicz mit dem Insolvenzverwalter Hendrik Heerma über einen Einstieg bei den insolventen Wohnmöbelwerken verhandelt.

Noch immer bin ich der Überzeugung, dass eine solche Übernahme, wenn sie denn zustande käme, überhaupt keine Zukunft hätte. Die vom Wohnmöbelwerke-Boss Steffen Urbschat genannte erste Deadline für eine Entscheidung, 06.06.2011, ist auch längst verstrichen. Jetzt gilt der 20.06.2011 als Tag der Entscheidung.

Aber auch wenn der potentielle Übernehmer Forte in der westfälischen Tagespresse mit angeblich 150 Mio. Euro Umsatz als größter polnischer Möbelproduzent gefeiert wird...

Was nicht stimmt, denn erstens wird Forte inklusive seiner Handelsaktivitäten von Branchenkennern auf deutlich unter 130 Mio. Euro Umsatz geschätzt. Außerdem dürfte der polnische Mitbewerber Black Red White mit rund 450 Mio. Euro mehr als das Dreifache auf die Waage bringen.

Also auch wenn der Deal wider erwarten über die Bühne geht, steht das ganze unter einem schlechten Stern. Denn Fortes Formanowicz verlangt dem geplagten Schieder-Personal einmal mehr völlig absurde Zugeständnisse ab.

Irgendwann ist aber auch hier die Grenze erreicht. Von der fortgesetzten Wettbewerbsverzerrung gar nicht erst zu reden. Und so hat der Gläubigerausschuss die Alternative auch schon längst formuliert.

Zitat Neue Westfälische: „Wenn die Übernahme nicht bis 20.06.2011 in allen Details geklärt ist, hat der Insolvenzverwalter grünes Licht von der Gläubigerversammlung, das Unternehmen unverzüglich zu schließen“.

So wird es wohl auch kommen

Ihr

Ralf Hartmann
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