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› Wenn wir uns fragen, was jetzt wohl… HD - 285
15.10.2011 …aus dem schönen Messepark Barntrup wird, dann sollten wir uns auch mal wieder an früher erinnern. An die 1980er Jahre beispielsweise. Als Barntrup noch das Mitnahme-Mekka ausgeflippter Dänen war. Als die Messehallen noch von 1-5 zählten. Schlauchförmig um ein paar Ecken führten und da endeten, wo heute die Freiluft-Anlage mit Würstchen vom Grill und Bier vom Fass durchquert werden muss, um zum Parkplatz Nummer 1 zu gelangen.

Damals ging es auch noch mehr um „nach der Messe“. Um die Abende, an denen „soziale Kontakte“ gepflegt wurden. Die Top-Adresse hieß „Jaegerlatein“ in Bad Pyrmont und war auch deshalb so beliebt, weil man dort nicht umfallen konnte. Egal mit welchem Promille-Wert im Blut. Es war einfach zu voll.

Neben Barntrup gab es damals übrigens auch sonst viel mehr Pflichtadressen als heutzutage. Erinnern Sie sich noch an die Lemgoer Messezentren Hansa oder Voßheide? Vom Schieder-Zentrum gar nicht zu reden. Bad Salzuflen war damals nur ein Thema von vielen. Dafür ging hier am Abend im Hotel Maritim in Fünferreihen die Post ab an der Bar. Alles Schnee von gestern.

Aber jetzt sieht es ganz so aus, als solle Bad Salzuflen als einziger Standort übrig bleiben im Event-Kalender der Möbel Order Messe Westfalica (M.O.W.). Denn der letzte neben Salzuflen verbliebene Messeplatz ist platt. Pleite. Insolvent.

Am Mittwoch, 12.10.2011, musste Wilfried Rominski nämlich als Geschäftsführer beim Amtsgericht Detmold Insolvenz anmelden für die Messepark Barntrup GmbH & Co. KG, Barntrup. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Stefan Meyer aus Lübbecke (Tel.: 05741-337-300), nachdem der zunächst bestellte Rechtsanwalt Hans-Peter Burghardt aus Herford auf eigenen Antrag aus seinem Amt entlassen wurde.

Über die Gründe für die Liquiditätsprobleme der Barntruper Messegesellschaft, die Jahrzehnte lang Teil der M.O.W. gewesen ist, kann man nur spekulieren. Wilfried Rominski, kam erst im August dieses Jahres als Sanierungsgeschäftsführer an Bord. Löste damals in aller Stille Bernd Schäfermeier ab. Der sich seitdem voll und ganz auf seinen Hauptjob konzentriert: Geschäftsführer der Messe Ostwestfalen GmbH in Bad Salzuflen. Rominski übrigens gibt der Terminverschiebung der Möbelmesse die Hauptschuld an der prekären Situation.

„Nachdem im Sommer dieses Jahres die Verschiebung des Messetermins auf den Herbst 2012 beschlossen wurde“, schreibt der Profi-Sanierer in einer Ausstellerinformation, „war es für uns zwingend erforderlich, mit den Vermietern und der Hausbank neue Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Hierzu sei er, Rominski, von den Gesellschaftern als Geschäftsführer mit Sanierungserfahrung bestellt worden und habe unverzüglich die Verhandlungen aufgenommen. Diese seien aber letztendlich gescheitert und so sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als aufgrund der gesetzlichen Vorschriften „einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zu stellen“.

Hierzu muss man wissen, dass mit Manfred Kerkhoff und Ernst-August Potthast die Gesellschafter der Messepark Barntrup GmbH durchaus branchenbekannte Persönlichkeiten sind. Denen jedoch nur ein kleiner Teil der Barntruper Messehallen gehört.

Der Löwenanteil der Messepark-Immobilien mit über 30.000 qm Bruttofläche in 10 Hallen gehört der Wehrmann Holzbearbeitungsmaschinen GmbH & Co. KG, Barntrup, bzw. der Karl E. Brinkmann GmbH (KEB Antriebstechnik), Barntrup. Beide waren offenbar nicht bereit, ihrem Mieter entsprechende Mietstundungen zur Engpassüberwindung zuzugestehen. Konsequenz: Insolvenz.

Es steht also zu erwarten, dass Barntrup als Möbelmesse-Standort in Zukunft Geschichte sein wird. Da die Situation nicht völlig überraschend kommt, haben etliche der über 200 Aussteller in den vergangenen Wochen schon erste Verhandlungen mit Bernd Schäfermeier aufgenommen, der am Standort Bad Salzuflen flächenmäßig durchaus mit Alternativen aufwarten kann.

Relativ konkret ist dabei schon der geplante Neubau einer 10.000 qm-Halle nahe den jetzigen Hallen 19, 20, 21. Hier haben schon frühzeitig die Barntruper Aussteller aus dem Badmöbelbereich Interesse bekundet, da diese Anbieter schon seit längerem räumliche Nähe zur Küchenmeile A30 einfordern.

Aber auch für die übrigen Barntrup-Aussteller aus den Bereichen SB-, JuWo-, Mitnahme-Möbel könnten in Salzuflen neue Möglichkeiten geschaffen werden. Angesichts der Messepark Barntrup-Pleite wird sich die Entwicklung auch hier sicher noch beschleunigen.

Und Barntrup? Und das „Jaegerlatein“? Da wird sich wohl künftig kaum noch ein Däne hin verirren.

Die Karawane zieht weiter.

Ihr

Ralf Hartmann
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