Hartdran-Logo
› Es ist immer wieder faszinierend… HD - 286
07.11.2011 …welche Reflexe bei Berichterstattern jedweder Couleur der Name IKEA auslöst. Dabei ist es ganz gleich, ob Kollegen der schreibenden Zunft oder Vertreter elektronischer Medien auf den Zug springen. IKEA zieht immer.

Googeln Sie mal IKEA bei Google-News. Sie kommen in 0,10 Sekunden auf ungefähr 3.280 Ergebnisse. Lauter frische Berichte, in denen der schwedische Möbel-Konzern vorkommt. Aktuell natürlich, weil der größte Möbelhändler der Welt am Montag, 07.11.2011, sein Zahlenwerk für das Ende August abgelaufene Geschäftsjahr 2010/2011 präsentiert hat (mehr auf S. 6).

Erstmals stand dabei der neue IKEA-Deutschland-Chef Peter Betzel im Rampenlicht. Der erst im September 2011 diesen Job übernommen hat.

„Betzel trat recht locker auf, im sportlichen Hemd, ohne Krawatte.“ Das fiel Petra Kirchoff auf, die in der FAZ über die Wirtschaftspressekonferenz der Schweden in Hofheim-Wallau berichtet hat.

Ansonsten hält sich auch die FAZ weitgehend an das Gerüst, das die Nachrichtenagentur dpa zur IKEA-PK vorgegeben hat. Und so gleichen sich gefühlte 300 Tageszeitungsberichte, in denen immer wieder dieselben Formulierungen auftauchen, wie eineiige Zwillinge.

Wobei besonders kreative Kollegen schon mal den einen oder anderen Teilaspekt gesondert aufgreifen. So entsteht der Eindruck, dass olle Kamellen wie die Nachricht vom Stadthaus in Altona („Ikea macht sich bald in der Fußgängerzone breit“; Welt Online) oder die seit langem bekannten IKEA-Homeparks („Ikea setzt auf Shopping-Center“; Berliner Morgenpost) brandaktuell geworden sind. Nur weil auf der Pressekonferenz mal wieder drüber gesprochen wurde.

Aber auch wenn keine offiziellen Mitteilungen anstehen. IKEA steht ständig im Fokus des öffentlichen Interesses. Egal ob mal wieder Schrottmöbel (Pax-Spiegeltüren) oder gefährliches Kinderspielzeug zurückgerufen werden müssen. IKEA macht immer eine Selbst-Inszenierung draus. Kostenlose Reklame auf allen Kanälen.

Jüngstes Beispiel: Der Skorpion. Was war das letzte Woche für eine Aufregung? Wie rauschte der Blätterwald, als es sich ein lebendiger Skorpion in der Verpackung eines Schuhregals von IKEA bequem gemacht hatte. Eigentlich verwunderlich, dass sich nicht gleich eine Tierschützer-Initiative gebildet hat, die frei nach Eisbär Knut oder dem schielenden Opossum Heidi Name und Patenschaft für das possierliche Krabbeltier organisiert hat. Skorpi oder so.

Immerhin ließ es sich die Bild-Zeitung nicht nehmen, das Original abzulichten („Das ist der Skorpion aus dem Ikea-Karton“). Und hat natürlich auch gleich eine Expertin aufgetrieben. Zoo Kuratorin Dr. Silke Stoll, die „den kleinen Ausreißer in Empfang genommen“ hatte, lieferte gleich Hintergrundinformationen: „Wir wissen nur, dass er sehr jung ist. Art und Herkunft können wir erst nächste Woche durch einen Experten klären lassen.“

Und Stoll räumte auch gleich mal auf mit der Mär von der langen Seereise, die das Tierchen hinter sich haben soll. Denn: „Auf den Ikea Kartons, in denen Schuhregale verpackt waren, stand zwar `Made in Thailand´, aber auch in Europa oder Deutschland hätte sich der kleine Skorpion einschleichen können.“

Entwarnung gab`s auch. Das Online-Portal „Der Westen“: „Er gehört zur Gattung `Heterometrus`. Sein Stich gleicht dem einer Biene, er ist schmerzhaft, aber für den Menschen ungefährlich.“

Faszinierend ist bei alledem, wie gesagt, nicht der Skorpion an sich. Kein Mensch wäre interessiert, wenn sich beispielsweise mal bei Höffner, porta, Segmüller ein Krabbeltier in die Möbelverpackung verirren sollte. Nein: IKEA macht den Unterschied.

Und da haben alle Mitbewerber noch eine Menge zu lernen bei der Selbstvermarktung. Da mag ein roter Stuhl ein Ansatz sein. Aber der Weg ist weit

Ihr

Ralf Hartmann
Anzeigen
mehr...
mehr...
mehr...
mehr...
mehr...
mehr...
medienPARK-Homepage