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21.12.2011
…dann müssen wir uns eingestehen, dass zumindest die zweite Jahreshälfte 2011 doch so ganz und gar nicht das Gelbe war, vom Ei. Rein geschäftlich, meine ich jetzt mal.
Die eher lauen Geschäfte der zweiten Jahreshälfte. Ehrliche Verbandsgeschäftsführer aus der Möbelbranche geben das auch gerne zu, haben die positiven Impulse aus den ersten sechs Monaten nahezu wieder kompensiert. Kein Grund, in nachhaltige Depression zu verfallen. Grund genug allerdings, auf dem Teppich zu bleiben. Nachteil dieser Entwicklung: Weil die letzten Möbel-Monate eher so la la verlaufen sind, ist die allgemeine Erwartung an die Signalwirkung der bevorstehenden imm cologne 2012 umso höher. „Wieder erstarkt“, das ist die beliebteste Vokabel, die mit der Kölner Möbel-Schau in jüngerer Zeit assoziiert wird. Und genau deswegen sind die Erwartungen jetzt so hoch. Aber mal ehrlich. Was soll denn groß passieren in Köln, wenn der Handel eher verzagt auf die letzten Tagesberichte schaut? Umso lobenswerter, dass sich die zahlreichen Aussteller – etliche sind endlich wieder, manche gar zum ersten Mal dabei – mit Sicherheit also so richtig ins Zeug legen werden in Köln. Die imm cologne als Startsignal in eine neue Zeit. Nachhaltig sollen die Strategien angelegt sein, um langfristig zum Erfolg zu führen. Köln könnte die Initialzündung sein. Wenn da nicht die Angst vor dem Scheitern wäre. Erster Messetag vorbei. Zweiter Tag auch schon so am Dahinläppern. Jetzt muss aber bald mal was passieren, denkt sich nicht nur der Chef, der seine Messekosten schon auf der Sollseite notiert, ohne dass Ergebnisse zur Haben-Kompensation gegenüber stehen. Und was geht dann rund im Kopf? Scheiß auf die Langzeit-Strategie! Jetzt muss erst mal Umsatz her. Und zwar zügig. Und dann geht’s dahin mit den guten Vorsätzen. Die schönsten POS-Konzepte werden flugs vergessen. Werden mit fliegenden Fahnen gegen kurzfristige Preisnachlässe eingetauscht. Dann steht ganz plötzlich „der letzte Preis“ wieder ganz im Vordergrund. Der Einkäufer fragt nach Rabatten statt nach Möbeln: Die Industrie knickt ein, weil, „wenn ich`s nicht mache, macht`s ein anderer“, und der Verkäufer im Möbelhaus packt nur die Dinge an, die halbwegs leicht verdiente Provisionen verheißen. Das schöne POS-Konzept ist gar nicht mehr angekommen am (P)oint (O)f (S)ale. Bleibt zu hoffen, dass die viele Arbeit, die bei der Industrie und in etlichen Verbandszentralen geleistet wird. Nicht zuletzt, um die Umsätze auf sinnvolle – ja, durchaus auch nachhaltige – Weise anzukurbeln. Im Januar zur imm nicht gleich wieder ganz ins Abseits geschoben wird. Angesichts der wirtschaftlichen Zwänge, die vielen Möbelschaffenden schon heute wieder den Schlaf rauben. Was noch? Ich spare mir den üblichen Jahresrückblick. Bin allerdings recht angerührt angesichts der massiv gehäuften Sterbefälle, die gerade in den letzten Wochen auch unsere Branche bewegt haben. Zugegeben hat es manch einen im gesegneten Alter „erwischt“. Ich hatte – Ironie des Schicksals – ausgerechnet auf der Trauerfeier für Günther Böhme die Gelegenheit einen meiner liebsten Wegbegleiter, Heinz Zeppenfeld, noch einmal zu treffen. Ein letztes Mal. Kurz bevor er sich mit fast 90 Jahren ebenfalls auf den letzten Weg gemacht hat. Der Boss der Oberhausener Uni-Polster-Kette ist auch eines dieser Originale, das nicht nur mir fehlen wird in unserer Branche. Und nicht nur ich könnte einige amüsante Anekdoten zum Thema Zeppenfeld zum Besten geben. Das kann ja auch bei mir jetzt durchaus schon mit fortgeschrittenem Alter zu tun haben. Aber ganz im Ernst: Die „alten“ Unternehmer, die haben volle Pulle gegeben im Geschäft. Aber den Spaß dabei nie außen vor gelassen. Klar bin ich jetzt auch „außen vor“, wenn die Kinder, oft auch schon die Enkel meiner guten Bekannten von vor 30 Jahren die Geschäfte führen. Die einen besser, die anderen schlechter. Aber ob die auch Spaß haben? In einem bin ich mir sicher. Es menschelt deutlich weniger, als in meinen „Lehr und Wanderjahren“. Und das ist – sicher nicht nur aus meiner Sicht – durchaus nicht immer besser für´s Geschäft. In diesem Sinne: Schauen Sie zuversichtlich in die Zukunft. Aber vergessen Sie auch nie den Blick zurück. Schöne Feiertage Ihr Ralf Hartmann |
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