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20.02.2012
…in die „Postdemokratie“. Zitat: „Es ist für die meisten Menschen schwer zu verstehen, dass wir im internationalen Handel ein gegenseitiges Interesse am Erfolg des anderen haben.
Die Deutschen brauchen ein starkes Griechenland, um dort Waren verkaufen zu können. Die Chinesen haben das verstanden. Sie wissen, dass sie den USA weiter Geld leihen müssen, damit der Strom ihrer Waren dorthin nicht versiegt.“ Diese Sätze stammen von dem britischen Politikwissenschaftler Colin Crouch (67) und sind in einem Interview zu lesen, dass Crouch vor zwei Wochen dem Magazin „Stern“ gegeben hat. Crouch prägte den Begriff „Postdemokratie“, der auch der Titel für seinen 2008 im Suhrkamp Verlag erschienenen Essay ist. Es geht um die Beschreibung von Gesellschaften, in denen die Wirtschaft übermächtig wird. „…ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden [...], in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, daß sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben“. Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch. Man muss eigentlich nur den Fernseher anschalten oder öfter mal Zeitung lesen, um zu sehen, dass wir auf dem besten Wege sind in die „Postdemokratie“. Oder gar schon mittendrin. „Gegenseitiges Interesse am Erfolg des anderen haben.“ Das gilt vor allem auch für solche Zeitgenossen, die unermüdlich beklagen, dass unsere sauer verdienten Steuergroschen ausgerechnet den Griechen in den Rachen geworfen werden sollen. Deutlich zu kurz gesprungen. „Die Rechnung würde um ein Vielfaches höher ausfallen“, wenn die Griechen nicht in der Eurozone blieben, meint nicht nur „Stern“-Chefredakteur Andreas Petzold im Editorial der aktuellen Ausgabe. Und er weiß auch, dass weitaus mehr Milliarden fließen müssen als bislang zur Debatte stehen. Klar, dass auch „Angela Merkel und ihre Euro-Kollegen“ das wissen. Das aktuell aber noch nicht öffentlich eingestehen wollen. Auch aus falscher Rücksichtnahme auf die jeweilige Innenpolitik. Auf die Stimmung im eigenen Volk. Denn, siehe oben: „Firmen mögen im Wettbewerb miteinander stehen, Länder mögen um möglichst gute Bedingungen für ihre Industrie ringen. Doch keiner profitiert auf Dauer von der Schwäche des anderen.“ Das gilt nicht nur für die großen Europrobleme oder die amerikanischen Staatsschulden. Das gilt auch für den Umgang miteinander. Wenn beispielsweise der Möbelhändler dem Hersteller mal wieder das Schwarze unter dem Nagel nicht gönnt und rauspresst was geht. Bis die Schmerzgrenze längst überschritten ist. Dass wir alle auf hohem Niveau jammern, das dürfte dabei ohnehin außer Frage stehen. So amüsieren sich wohl nicht nur unsere Nachbarn im Bunga-Bunga-Land Italien über das Theater, das aktuell gerade um unseren Bundespräsidenten gemacht wird. In Russland beispielsweise, ätzte kürzlich ein Kolumnist, da leihen sich hohe Beamten nicht Geld, um Häuser zu bauen. Die lassen sich die Häuser schenken. Na wenigstens bleibt uns nach dem Rücktritt von Christian Wulff das Nerv tötende Gezerre um den Nachfolger erspart. „Angie“ Merkel sei Dank, die kaum eine Übung so perfekt beherrscht wie die ansatzlos eingesprungene 180 Grad-Volte. Ungeklärt bleibt aber leider immer noch die bange Frage nach dem Nachfolger von Thomas Gottschalk bei „Wetten das!“ Auch hier sollte die Kanzlerin vielleicht endlich mal ein Machtwort sprechen. Und uns bleibt die rhetorische Frage: „Was muss das für ein glückliches Land sein, dessen Bürger sich mit solchen `Problemen´ plagen?“ Ihr Ralf Hartmann |
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