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› Jetzt stellen wir uns doch einfach mal vor… HD - 294
04.04.2012 …wir hätten einem Bekannten eine ordentliche Summe Geld geliehen. Zu einem vertretbaren Zinssatz und abgesichert durch eine private Immobilie. Stellen wir uns weiter vor, unser Schuldner gibt das Geld, das ihm nicht gehört, mit vollen Händen für irgendwelchen Blödsinn aus und rutscht immer tiefer in die Miesen.

Noch machen wir uns keine Sorgen. Die Zinsen fließen regelmäßig. Und da ist ja noch die Sicherheit, die Immobilie. Dann aber kommt der Schock: Unser Schuldner eröffnet uns, er habe beschlossen seine „ausstehenden Anleihen zu restrukturieren“. Wir als Gläubiger sollten deswegen auf unsere Ansprüche verzichten. Im Gegenzug bekämen wir Anteile am Garagentor seiner Immobilie.

Sie glauben das wäre ein Witz? Aber genau das macht gerade der insolvente Pfleiderer-Konzern vor.

Auf dem Onlineportal www.rechtslupe.de heißt es dazu: „Die Antragstellerin, … ein niederländisches Tochterunternehmen des deutschen börsennotierten Holzverarbeitungsunternehmens Pfleiderer AG, gab im Jahr 2007 Inhaberschuldverschreibungen (Hybrid-Anleihen) mit einem Volumen von 275 Mio. Euro heraus, für die die Konzernmutter Pfleiderer AG eine Rückzahlungsgarantie übernahm. In einer Versammlung der Anleihegläubiger am 20.6.2011 (Gläubigerversammlung) wurde u.a. mehrheitlich ein Umtausch der Anleihen in Erwerbsrechte auf Aktien der Pfleiderer AG beschlossen. Die Anleihen hatten zu diesem Zeitpunkt einen Kurs von weniger als 10 % ihres Nominalwertes, weil die Konzernmutter als Garantin in eine finanzielle Schieflage geraten war.“

Die Folgen sind bekannt. Das OLG Frankfurt ließ die Antragstellerin zweimal abblitzen. Die klagenden Gläubiger bekamen Recht. Und haben jetzt den Schwarzen Peter. Denn Pfleiderer hat Insolvenz angemeldet. Die Inhaberschuldverschreibungen sind wertlos.

Und jetzt müssen sich die kalt enteigneten Gläubiger ebenso wie die Alt-Aktionäre auch noch verhöhnen lassen. Es handle sich um eine „Micky-Maus-Insolvenz“ erklärt Pfleiderers Sanierungsvorstand Hans-Joachim Ziems. Betroffen sei lediglich die Holding, die zwar den gesamten Schuldenberg in Höhe von über 1 Milliarde Euro zu schultern hat, in der aber lediglich 10 Mitarbeiter beschäftigt sind. - Macht 100 Mio. Euro Verbindlichkeiten pro Mitarbeiter. Keine schlechte Quote.

Aber wieso, fragen sich jetzt die leer ausgehenden Anleihe-Gläubiger und Altaktionäre, wieso können die zahlreichen Tochterfirmen der insolventen Pfleiderer AG nicht als Sicherheit hergenommen werden? Naive Gemüter könnten immerhin vermuten, dass die zum Teil durchaus profitablen Tochterunternehmen als Teil der Insolvenzmasse zur Regulierung der Verbindlichkeiten dienen müssten.

Pfleiderer sei „das Opfer eigensüchtiger Banken und Berater geworden", lautet derweil die Kritik von Anleihegläubiger-Anwalt Peter Dreier. Allein im vergangenen Jahr habe Pfleiderer 70 Mio. Euro für Berater ausgegeben.“

Und laut Nürnberger Nachrichten ist: die Pfleiderer AG inzwischen „in der Hand der Gläubigerbanken und von Hedgefonds, die nun auf dem Weg der Insolvenz die Entschuldung und Sanierung der Firmengruppe mit 4.900 Mitarbeitern weltweit vorantreiben wollen“.

Und diese Hedgefonds schauen voraussichtlich nicht in die Röhre. Die haben ihre Investitionen nämlich ganz anders abgesichert, als die Anleihe-Gläubiger und Alt-Aktionäre. Und zwar über die Tochter-Firmen, die ihnen als Sicherheit für Millionen-Darlehen jetzt in den Schoß gefallen sind.

Es ist also wie so oft im Börsen-Leben. Das Geld der Pfleiderer-Altaktionäre ist nicht weg. Es gehört jetzt nur anderen, ausgeschlafeneren Investoren. Und ähnlich wie bei der Schieder Möbel-Pleite haben sich bei dem jahrelangen Gezocke um die Sanierung der Pfleiderer AG Banken und Berater die Taschen voll gemacht.

Ihr

Ralf Hartmann
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