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› Unruhige Zeiten …
10.09.2018 … normalerweise liegt es mir fern, an dieser Stelle Stimmung zu machen, indem ich - wie manch einer meiner Fachpressekollegen - gebetsmühlenartig den Untergang des stationären Möbelhandels prophezeie. Wobei die Trendwende unübersehbar ist. Spätestens seit IKEA den grundsätzlichen Wandel eingeläutet hat. Seit ein Umdenken in Sachen Möbelpaläste auf der grünen Wiese nicht mehr wegzudiskutieren ist.

Denn auch in der Möbelbranche gibt es einen Klimawandel. Nicht nur unmittelbar, weil ja Sommerwetter Gift ist für die Möbelkonjunktur. Standardspruch aktuell: „Der April war schon Scheiße und der August bringt auch keine Wende!“

Nein, der Klimawandel bezieht sich durchaus nicht nur auf den unerbittlichen Sonnenschein. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Und es ist natürlich nicht nur Marktführer IKEA, der eine komplette Neuorientierung eingeläutet hat. Die Schweden schreien nur am Lautesten. Und haben generell die größte Presseresonanz. In diesem unseren Lande.

„Online ist mein großes Thema.“ Das sagte bereits im Juli dieses Jahres Dennis Balslev der neue IKEA Deutschland-Chef im Gespräch mit Welt Redakteur Carsten Dierig. Aktuell erziele IKEA hierzulande rund sechs Prozent seines Umsatzes im E-Commerce. Schon mittelfristig könne dieser Anteil aber auf 25 bis 30 Prozent steigen.

Was folgte ist bekannt. Wirtschafts- Fach und Tagespresse stürzten sich auf das Thema und jetzt weiß jeder: „Die Zeit der großen Möbel-Paläste am Stadtrand ist vorbei“ (Balslev). IKEA macht den Vorreiter in Richtung Online Vermarktung. Allerdings differenziert.

Zunächst, so Balslev in der Welt, sollen die Lieferzeiten „in den großen Städten wie Berlin, Köln, München und Hamburg oder auch in Ballungsgebieten wie Rhein-Main oder dem Ruhrgebiet“ massiv sinken. „Dort wollen wir in Zukunft innerhalb von drei Stunden liefern“, kündigt der IKEA Boss an.

Wie das gehen soll? IKEA kann das vielleicht. Plant bis zu 400 Millionen Euro ein, die quer durch die Republik in neue Verteilzentren fließen sollen. Und der Rest?

Damit kommen wir automatisch zu dem Thema, das die Möbelwelt aktuell heftig in Aufruhr versetzt. Der Krieger Beitritt zur Union, der in nicht allzu ferner Zukunft ein Acht-Milliarden-Euro-Umsatz-Gebilde entstehen lassen wird. Bestehend aus Union (inklusive Tessner- und Krieger Gruppe) und Einrichtungspartnerring VME.

Und dabei geht es nicht - zumindest nicht in erster Linie – um noch bessere Preise. Das Thema ist ausgereizt. Nein, es geht um den Wandel im Handel insgesamt.

Denn was IKEA als Vorreiter in die Diskussion geworfen hat, damit müssen sich künftig alle Möbelschaffenden beschäftigen. Der XXXLutz Verband Giga International ist da aktuell allerdings schon weiter, als das Union/VME Bündnis.

Aber der Anfang ist gemacht. Und da klingt es plötzlich gar nicht mehr so absurd, dass sich Kurt Krieger neu orientiert und den Schulterschluss mit Union Spitzenreiter Hans-Joachim Tessner sucht. Allein diese beiden sind mit rund vier Milliarden Euro gar nicht mehr so weit entfernt von den Erlösen der deutschen Landesgesellschaft von IKEA, die bei knapp 5 Milliarden Euro zu verorten ist.

Und sonst? Ein Blick in die Glaskugel lässt mich prognostizieren, dass es nicht die XXXLutz Gruppe sein wird, die die Möbelaktivitäten von dodenhof übernimmt. XXXLutz ist kein Mieter. Übernimmt die Dinge mit Mann und Maus. Und Ralph Dodenhof kann und will sicher nicht die Möbelimmobilie herauslösen aus seinen Fachmarktzentren in Posthausen und Kaltenkirchen.

Also gilt es, einen Übernehmer zu finden, der als Mieter einsteigt in die Wohnwelten von dodenhof. Und der könnte beispielsweise Hans-Joachim Tessner heißen.

Und was wird aus kika/Leiner? Auch hier glaube ich nicht, dass Übernehmer René Benko ernsthaft an einer Fortführung des Austria Filialisten interessiert ist. Benko denkt in Immobilien. Hat noch immer die ganz große deutsche Kaufhaus AG auf dem Schirm. Auch wenn es da aktuell ein bisschen unrund läuft.

Was bedeutet, dass kika/Leiner zerschlagen werden könnte. Filetiert würde. So steht zu erwarten, dass XXXLutz Boss Andreas Seifert die lukrativen Auslandsaktivitäten von kika/Leiner übernimmt und den einen oder anderen Standort in Österreich. Und der Rest würde dicht gemacht oder anderswie aufgeteilt. kika/Leiner in seiner jetzigen Form hat sicher keine Zukunft.

Und die Möbelhandelslandschaft in Deutschland? Die bleibt ohnehin in Bewegung. Denn tatenlos zuschauen können die anderen „Möbelriesen“ natürlich nicht beim Strukturwandel. Hier muss sich ein porta Möbel genauso Gedanken machen wie ein Segmüller. Wird die BEGROS zügig reagieren müssen.

Spannende Frage dabei, wo sich künftig „Massenverbände“ wie EMV, GARANT, GfMTrend & Co. positionieren wollen.

Alles fließt. – Fragt sich nur, wohin?

Ihr Ralf Hartmann
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