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› Verkeimte Killerwurst …
20.10.2019 ... auch in Möbelhaus angeboten - IKEA von Wilke-Rückruf betroffen. Na das ist doch mal eine Überschrift. Sie stand in der Meinerzhagener Zeitung und wir verdanken diesen Geniestreich dem größten Möbelhandelsunternehmen der Welt: IKEA Tatsächlich geisterten die Meldung über Listerien-Keime im Aufschnitt des Wurst und Fleischproduzenten Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG aus Berndorf schon ein paar Tage durch die Nachrichtenkanäle, richtig Fahrt aufgenommen hat der „Skandal“ aber erst, als IKEA involviert war.

Killerkeim ist übrigens stark übertrieben. Die Listeriose, weiß Wikipedia, ist eine durch Bakterien der Gattung Listeria verursachte Infektionskrankheit bei Tieren und Menschen. Der wichtigste Erreger ist Listeria monocytogenes, der weltweit vorkommt und hochansteckend, aber nur von mäßiger krankheitsauslösender Wirkung ist.

Aber „Killerkeim“, das macht eben was her, vor allem, wenn er im Möbelhaus lauert. IKEA hat natürlich längst reagiert, die komplette Wilke Wurst vom Frühstücksteller verbannt und einen Ersatzlieferanten akquiriert. Alles im grünen Bereich also.

Aber ein bisschen Killerkeim in den Nachrichten, das bringt doch gleich Schwung in die Frühstücksrituale. Und da schlagen wir gleich mal eine Volte zur aktuellen Messeberichterstattung unserer schönen Branche.

„Viel zu reden“ gab es auf der Messe, berichtet die einschlägige Fachpresse. Was immer wieder den Eindruck macht, als stände auf Veranstaltungen wie beispielsweise der M.O.W. in Bad Salzuflen oder den zahlreichen Satelliten rundherum nur eines im Mittelpunkt. Der Flurfunk, die Gerüchteküche.

Ich stelle mir das so vor, dass alltäglich zu Messebeginn die Hast-Du-Schon-Gehört Spezialisten aufgeregt durch die Gänge spurten, kleine Gruppen bilden und dann wieder ausschwärmen, um weitere Kollegen mit „Neuigkeiten“ zu versorgen.

Das ist aber nicht so. Wenn man als Journalist nicht gezielt immer wieder dieselben Fragen stellt, von Stand zu Stand immer mit derselben Gerüchtewoge aufschlägt, dann hält sich auch das Geplapper in Grenzen, wer mit wem wann und warum.

Und manche Aussteller, die ja viel Geld bezahlen für ihren Messeauftritt, wollen ja auch mal ein paar Aufträge an Land ziehen oder wenigstens Kontakte knüpfen. Und zwar ohne in den Waschweib-Modus zu verfallen.

Klar gibt es auf Messen auch heute noch das eine oder andere Standardthema, das man in fast keinem Gespräch vermeiden kann. In der Regel ist das aber meistens zügig abgehakt. Standardreaktionen: Schulterzucken oder „betrifft uns nicht“ -„interessiert mich nicht“.

Natürlich gibt es solche Zeitgenossen, die einem unmittelbar nach dem ersten Händedruck ihre Nachrichtenlitanei um die Löffel hauen. Es werden aus meiner Sicht aber immer weniger. Zumal man sagen muss, das Tratsch-Niveau war auch schon mal höher. Und überhaupt: In Zeiten von Multi- und Social Media weiß eh immer jeder schon alles.

Das muss uns nicht stören. Wobei es früher schon anders war mit den kleinen Sensationen. Eine Woche Messe, ein paar Themen aufgepickt, eine Woche rum telefoniert und dann hat der Möbel-Redakteur mit etwas Glück eine Nachricht, die er 14 Tage zuvor irgendwo aufgeschnappt hat, in aller Ruhe recherchiert, ausformuliert, drucken lassen, per Post verschickt und schon war sie da, die Exklusiv Story.

Und dann ging es aber los, das gegenseitige „hast Du schon gehört?“ – Oder gelesen. Gute alte Zeit? Keineswegs. Die Arbeit ist nicht leichter heute und nicht schwerer. Sie ist anders.

Daraus muss man aber nicht durch Suggestiv-Recherche Sensationen basteln, die kaum noch einen aus der Fassung bringen. Weiß doch sowieso jeder. Was tun?

Ruhe bewahren, Hintergründe aufzeigen, Analyse liefern. Habe ich mich da jetzt wiederholt? Habe ich das schon mal ähnlich formuliert? – Egal! Kann man nicht oft genug sagen.

Ihr Ralf Hartmann
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