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› Ein Wort zur Ergänzung …
21.04.2021 … unserer aktuellen Titelgeschichte - Gutmann Insolvenz - in der aktuellen Ausgabe HartDran 449: In mehr als 35 Jahren als Branchen-Redakteur habe ich sicher einige 100 Insolvenz-Geschichten geschrieben. – Oft ähnlich lautend, was die Hintergründe und die Zukunftsaussichten des jeweils in Schwierigkeiten geratenen Unternehmens betraf.

Manchmal hätte man sämtliche Formulierungen - also das Text-Gerüst – einfach beibehalten und lediglich die Namen der Beteiligten austauschen können. So ähnelten sich die Umstände unter denen Firmen in die Pleite gerutscht sind.

Bei der nunmehr zweiten Pleite der Exklusiv-Hauben Gutmann GmbH ist aber einiges anders. Noch nie habe ich eine ebenso ausführliche wie vernichtende Begründung einer Behörde gelesen, wie die des Amtsgerichts Pforzheim zur Ablehnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung für Gutmann Hauben.

Das Gericht bezweifelt, „dass die Schuldnerin bereit und in der Lage wäre, ihre Geschäftsführung an den Interessen der Gläubiger auszurichten“. Mietrückstände für die Betriebsimmobilie in Höhe von 350.000 Euro werden genannt. Wobei die Räumung laut Räumungstitel nunmehr bis spätestens 13.04.2021 zu erfolgen habe. All dies lasse auf eine Überforderung der aktuellen Geschäftsleitung schließen, weswegen die geforderte positive Prognoseentscheidung zumindest derzeit nicht möglich sei.

Gutmann Geschäftsführer Manuel Fernandez-Salgado ficht das aber offenbar nicht an. So berichtet KüchenNews: Hintergründe für den finanziellen Engpass sei nach den Worten des Geschäftsführers „die aktuelle Corona-Situation, die das Unternehmen nach der Hausmesse im Herbst, bei der eine Reihe von neuen Produkten vorgestellt wurden, besonders hart getroffen“ habe.

Und zitiert Fernandez: „Natürlich kann eine kurzfristig – unter Corona-Bedingungen initiierte Messe nicht so erfolgreich sein, wie eine Beteiligung an der area30.“ Zudem habe das Unternehmen auch herbe Einbrüche auf den Exportmärkten hinnehmen müssen.

Die Mietzahlungen habe er gestoppt, weil Vermieter Goodman nicht bereit gewesen sei, Mietverträge neu zu verhandeln. Auf den Vorwurf des Gerichts, „dass die Gesellschaft offenbar durchgehend seit 2017 keine testierten Jahresabschlüsse vorgelegt“ habe, geht Fernandez nicht ein.

Macht im Gegenteil auf Optimismus. Unter dem Titel „Auslieferung startet bei Gutmann Hauben in der nächsten Woche“, zitiert KüchenNews Unternehmenschef Manuel Fernandez am 01. April wie folgt: „Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt, so dass es bei uns jetzt mit der Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters weitergehen wird.“

Zwei neue Immobilien stünden für den Umzug zur Wahl, derzeit gehe es darum die Layouts für Produktion und Verwaltung zu erstellen. Es gehe vor allem darum, die langjährigen Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, Fahrtwege nicht zu lang werden zu lassen.

Und weiter: Jetzt werde komplett saniert und restrukturiert und dann gehe es mit Dunsthauben und Gutmanns neuem Produkt dem „Eliminador-Raumluftreinigungsgerät“ weiter. Mit der daraus resultierenden Technologie werde man dann auch „die Dunstabzugshaube“ vorstellen, die 99,9 Prozent aller Gerüche beseitigen könne. – So einfach ist das. Ist es das?

Stellt sich doch die Frage, wieviel Prozent der „Insolvenz-Gerüche“ beseitigt werden können, um die Kunden bei der Stange zu halten. Aber Manuel Fernandez hat sicher auch dafür ein Patentrezept in der Tasche.

Ihr Ralf Hartmann
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