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› Wer immer wieder in Ehrfurcht erstarrt …
16.08.2021 … wenn vom Online Handel die Rede ist. Wer vom Ende des stationären Handels im Einrichtungsbereich fabuliert, nur weil beispielsweise Amazon angefangen hat, sich für den Verkauf von Möbeln zu interessieren, der kann sich mal kurz zurücklehnen, kann die Alarmglocken etwas leiser stellen. Das Ende ist noch nicht in Sicht: „Manchmal ist der Algorithmus zu blöd, die einfachsten Dinge zu verstehen“, schreibt Michael Kläsgen in der Süddeutschen Zeitung. Worum geht es?

„Der Konzern hat erstmals ein echtes Problem“, schreibt Kläsgen, „und zwar global, aber eben auch in Deutschland …“. Amazon habe es selber mitgeteilt: „Das Wachstum im Onlinehandel wird abflauen.“

Die Gründe dafür seien tiefgreifender, als es zunächst den Anschein hat. „Sie haben nicht nur damit zu tun, dass gerade Sommer ist, Corona eine Pause eingelegt hat und die Menschen halt lieber mal wieder in der Innenstadt einkaufen als im Internet.“

Nein, „der Händler, der die Lieferketten sonst solide im Griff hat, hadert mit übervollen Lagern“. Nicht etwa, weil Amazon zu wenig verkauft hätte, sondern im Gegenteil. Es wurde zu viel Ware bestellt. Und von wem? Der Algorithmus hat`s verbockt.

Wie das? Die Maschine, die sich „über Jahre hinweg wunderbar selbst gesteuert hat“, diese Maschine hat versagt.

Sie hat nämlich, ihrer künstlichen Intelligenz folgend, das erste Corona Jahr mit seinen enormen Umsatzzuwächsen wie immer hochgerechnet und hat dabei übersehen, „dass die Pandemie einen einmaligen, ungewöhnlichen Ausschlag verursacht hat“.

Die Folge: „Ladenhüter blockieren den Platz für begehrte Artikel.“ Die Erkenntnis: „Manchmal ist der Algorithmus schlicht zu blöd, die einfachsten Dinge zu verstehen.“

Amazon versucht nun, Markenhersteller dazu zu bringen, ihre Artikel doch bitte selbst zu verkaufen. Die jedoch sind wenig geneigt, „ihre Ware aus den vollen Lagern abzuverkaufen, einfach nur um Platz für den Handelsriesen zu schaffen – schon gleich gar nicht zu Dumpingpreisen“.

Bleibt die Hoffnung bei Amazon auf die nächste Rabattschlacht – auf den nächsten Prime Day. Aber: Schon der letzte Prime Day im Juni sei kein Erfolg gewesen. Und so schließt SZ Autor Michael Kläsgen mit dem Fazit:

„Wollte Amazon vor Weihnachten noch einmal eine Rabattschlacht veranstalten – und man darf davon ausgehen, dass der Konzern das angesichts der vollen Lager unbedingt will – er hätte womöglich diesmal echte Schwierigkeiten …“.

Von anderen Problemen wie Frachtkosten, „Lücken beim Datenschutz“, „Unwilligkeit, adäquat Steuern zu zahlen“ oder „Pflicht zur Produkthaftung“ vor allem für Waren aus China gar nicht zu reden. Bleibt die Erkenntnis: „Die Maschine Amazon stockt gewaltig.“

Noch ein Hinweis in eigener Sache zur Hochwasserkatastrophe: Wir haben auf den Seiten vier und fünf dieser Ausgabe ein paar willkürlich ausgewählte Beispiele dokumentiert für Hilfsmaßnahmen aus der Branche. Natürlich sind es unendlich viel mehr Privatpersonen und Unternehmen, die ihr Bestes tun, um irgendwie zu helfen.

All denen gilt mein Respekt. Betroffenheitsprosa, wie hier und da zu lesen, ist meine Sache nicht. Ironie oder Sarkasmus liegt mir mehr. Ist hier aber sicher nicht angebracht.

Ihr Ralf Hartmann
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