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› „Die Endpreise nähern sich einem Peak …
20.06.2022 … die Preise aus der Zeit vor dem Krieg werden sich verdoppeln.“ Dieses Zitat stammt aus der Neuen Westfälischen Zeitung und wird einem namentlich nicht identifizierten Manager aus der Möbelbranche zugeschrieben. Dabei handelt es sich natürlich nicht um die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, also um die 1930er Jahre, sondern um die Ukraine.

Die NW Redakteure Martin Krause und Mareike Köstermeyer, die Ende Mai an einer VDM Pressereise teilgenommen haben, relativieren diese doch etwas überzogene Prognose zwar mit der Frage: „Ob sich dann aber noch Käufer finden?“

Und stellen zugleich fest: „Auch wenn es nicht ganz so dramatisch kommt: Die Zukunft ist ungewisser als zuvor, jede Planung ist erschwert. Ostwestfalens drittgrößte Branche stellt sich darauf ein.“

Schlagen andererseits aber schon in der Headline ihres Berichts Alarm mit dem Satz: „Möbel aus Ostwestfalen werden sehr viel teurer“ – Gefolgt von der Feststellung: „Der Preis für Spanplatten hat sich verdreifacht, auch andere Vorprodukte haben sich stark verteuert. Über eine drohende Verdopplung der Möbelpreise wird spekuliert.“

Was soll sich da wohl der Endkunde denken? Jetzt noch schnell Möbel kaufen? Stühle, Schränke, Tische horten wie Klopapier, Weizenmehl und Sonnenblumenöl? Wohl kaum. Im Lockdown hat es ja doch schon irgendwie gebrummt das Geschäft mit der Einrichtung.

Am 31.05. und am 01.06.2022 hat der VDM Presse-Tross im „Möbelland Ostwestfalen“ die Firmen Sudbrock, nobilia, Loddenkemper und COR besucht. Und das Fazit nicht nur des NW Berichtes gibt zu größerer Sorge eigentlich wenig Anlass.

Da wird Sudbrock im 100sten Jahr des Bestehens als grundsolider Familienbetrieb vorgestellt: aktuell gebe es zwar „aufgrund von Stürmen und Schädlingsbefall“ Probleme bei der Holzbeschaffung. Aber: „Von Rohstoffen wie Öl oder Gas hingegen sei die Firma Sudbrock unabhängig, denn für die Wärmeenergie nutzt der Betrieb eigene Abfallprodukte.“

Zu COR heißt es: „Nur wenige deutsche Möbelhersteller haben eine echte Marke aufbauen können - COR ist eine der bekanntesten.“ Auch wirtschaftlich scheint alles so weit in Ordnung: „216 Mitarbeiter und 45 Millionen Euro Jahresumsatz“ werden genannt. Und COR Boss Leo Lübke setzt auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit wenn er sagt: „Wir setzen auf Materialien, die man reparieren kann. Und wir brauchen kein Öl oder Gas."

Krise und Inflation träfen den Polstermöbelhersteller nur mäßig. NW-Zitat: „Anfang März erhöhte das Unternehmen die Preise für seine ohnehin nicht gerade billigen Sofas und Sessel um 3,5 Prozent. Und merkte schnell, dass das nicht reicht. Noch in diesem Jahr sei eine weitere Erhöhung um 5,5 Prozent nötig.“

Auch bei nobilia – „größtes Möbelunternehmen Deutschlands“ – scheint soweit alles im Lot. nobilia Chef Lars Bopf: „Rohstoffe werden teurer, und obwohl unsere Sicherheitsbestände an Elektrogeräten bisher groß genug sind, müssen wir uns mit Verfügbarkeiten auseinandersetzen."

Dennoch gebe sich der Küchenmöbelmarktführer positiv. Das Unternehmen werde weiterhin bedarfsorientiert produzieren und keine Überkapazitäten schaffen, sagt Bopf.

Und selbst bei Loddenkemper, jahrelanges Sorgenkind im Schlafzimmerbereich, scheint nach der Übernahme durch die „Oeseder Möbelindustrie“ (Markus Wiemann) wieder alles im Lot. Zumindest laut NW Bericht.

Zitat: „Die anfangs `verstaubte Perle´ sei durch Automatisierung und Straffung der Produktion auf Effizienz getrimmt worden, sagen die Geschäftsführer Waldemar Bauer und Steffen Urbschat. Die spannende Frage sei, wie die Kunden auf nötige Preisaufschläge reagieren. Während die Nachfrage im billigen Bereich schon sinke, sei dies im höherpreisigen Segment – das Loddenkemper bedient – noch nicht so deutlich.“

Fazit: Nicht alles ist schlecht im „Möbelland Ostwestfalen“. Ein gesundes Maß Optimismus und eine gewisse Flexibilität scheinen vielen Unternehmen aktuell noch weiter zu helfen. Die Ungewissheit aber, sie bleibt. – Der tägliche Blick auf die Weltlage, er macht nicht immer froh.

Ihr Ralf Hartmann
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