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› „Save water …
11.07.2022 … bath with a friend!“ Derlei Sprüche - ältere Überlebende mögen sich erinnern - standen Ende der 1960er Jahre auf Buttons, die man sich damals als Meinungsäußerung ans Revers heften konnte. – Oder sonst wohin. Natürlich ging es damals weniger ums Wassersparen, als um die ganz normale Provokation. Wir wollten anders sein, als unsere Eltern und Lehrer, die von allem, was so passiert war in den tausend Jahren zuvor, gar nichts gewusst haben konnten, oder wollten.

Auch ich habe damals, als flotter Jung-Zwanziger mit der einen oder anderen Mensch:in in einer Badewanne gesessen. Nicht unbedingt nur, um Wasser zu sparen.

So wie das unser kommunikativ extrem talentierter Wirtschaftsminister Robert Habeck heutzutage postuliert. Der nämlich, kommt beim Duschen angeblich und tatsächlich mit einer Minute aus. Für alles. Und natürlich kalt.

Ich halte es da lieber mit dem FDP-Frontmann Wolfgang Kubicki, der mir als Mensch durchaus sympathisch ist, dessen politische Einlassungen ich aber eher selten teile. Kubicki sagt: „Ich dusche so lange, bis ich fertig bin.“ – Ich auch!

Und noch ist Luft nach unten, denn, wie Redakteur Manfred Zips in der „Süddeutschen“ schreibt, liegt die durchschnittliche Duschdauer im Land „bei derzeit 11 Minuten“. Und: „Mehr als zwei Drittel der Deutschen duschen täglich, und zwar eher warm.“ – So viel zu dem.

Sprache ändert sich. Leider nicht immer zum Guten. Stark zugenommen haben – neben dem Genderwahn - in jüngerer Zeit wieder mehr oder weniger originelle Anglizismen.

„Wording“ und „Learning“ sind solche Beispiele, die inflationär von den unvermeidlichen Motivationsexperten genutzt werden. „Experten“, die auf keiner Veranstaltung fehlen dürfen, wenn es beispielsweise darum geht, Teilnehmer einer Verbandstagung zu bespaßen.

Ganz vorn auf diesem Gebiet ist auch Matthias Pollmann, Geschäftsbereichsleiter Messemanagement der Koelnmesse. Dessen Visionen für die Zukunft der imm cologne wir in der HartDran Juni Ausgabe beleuchtet haben.

Da war vom Settup bei der Hallenplanung die Rede, von Thought Leadership und Business Enablement. Es ging um den Content Hub der Messe, um ein neues Event Format mit Matchmaking-Funktionen.

Im Fokus steht die Transformation des Messe-Events. Die imm cologne soll sukzessive zur Dialog- und Wissensplattform ausgebaut werden. Ob das dann noch Messe ist?

Ganz neu sind solche Bestrebungen übrigens nicht. So erinnert sich ein Zeitgenosse, der Ende der 1980er Jahre Mitglied im Strategie-Beirat der Koelnmesse war:

„Die Idee ist uralt und kommt schon deshalb viel zu spät. Damals wurde darüber diskutiert, dass die Messe ihre eigene Positionierung überdenken müsse. Dazu gehörte, dass man nicht nur Quadratmeter-Vermieter für Aussteller sein dürfe, sondern dass man sich auch dafür interessieren sollte, was auf diesen Flächen eigentlich so geschäftlich passierte.“

Daraus sei die Idee entstanden, dass man sich um engere und festere Verbindung zu den Ausstellern bemühen müsse, die man dann durch eine Internetplattform ganzjährig betreuen könnte. „Es sollte eine Plattform geschaffen werden, auf der Hersteller und Händler zueinanderfinden könnten, um so neue geschäftliche Beziehungen anzubahnen.“

Die Idee sei dann aber im Keim erstickt „als man sich darüber im Klaren war, dass die immer weniger werdenden Hersteller ihre Kunden kannten“. Und „auch für den Handel bestand kein Manko bei der Herstellersuche, da ja außerdem die Verbände einen guten Job machten“.

Fazit des Zeitzeugen: „Meine geistige Flexibilität reicht sicher altersbedingt nicht aus, um dieser neuen Idee erfolgreiche Chancen beizumessen. Und mit derartigen wichtigtuerischen Anglizismen lässt sich das langsam immer mehr leidende Geschäftsmodell `Messe´ auch nicht mehr mit neuem Leben zu neuen Höhen führen.“

Ein bemerkenswerter Blick zurück, meine ich. Mal sehen, was daraus wird.

Ihr Ralf Hartmann
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