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22.02.2026
… nicht ganz einleuchten, habe ich die Angewohnheit, hier und da mal nachzuprüfen, was dran ist, an dieser oder jener Einschätzung. Und siehe da, bei der Recherche zum angeblichen Interesse des neuen Himolla-Gesellschafters Manfred Ziegler an Gesprächen zur Übernahme von Rolf Benz wurde ich fündig.
Gesprochen wurde wohl tatsächlich, aber zum Äußersten ist es dann doch nicht gekommen. Auch mit anderen deutschen Polsterspezialisten – Schillig, Dietsch – soll sich der neue Himolla-Boß mal über Denkmodelle für die Zukunft locker ausgetauscht haben. Auch hier bislang ohne Ergebnis. Für die Produktion der Rolf Benz-Modelle bedeutet die aktuelle Übernahme zunächst also mal, dass am Standort Mötzingen nicht gerüttelt wird. Kurzes Aufatmen der angeblich nur noch 330 Beschäftigten bei Rolf Benz. Wie es weitergeht, das bleibt dennoch spannend. In diversen Berichten zur Übernahme, u.a. im Handelsblatt, wird zum Zahlenwerk der Nagolder Polster-Perle nur die graue Vorzeit bemüht. Bezug genommen wird auf den Bundesanzeiger, wo die „aktuellen“ Daten aus dem Jahr 2021 stammen. „Das letzte Jahr, für das öffentliche Zahlen verfügbar sind.“ Da ist von knapp 460 Beschäftigten die Rede, die Umsätze von rund 75 Millionen Euro erwirtschftet hätten. Glaubhafte Einschätzungen der aktuellen Situation bei Rolf Benz lassen weniger Positives vermuten. So werden die Umsatzerlöse für das Jahr 2025 intern mit „unter 40 Millionen Euro“ beziffert. Dazu passt ein Bericht des Schwarzwälder Boten vom 26.01.2026 - keine zwei Wochen bevor der aktuelle Deal offiziell bekannt wurde. Dort wird Rolf Benz-CEO Jürgen Mauß mit den Worten zitiert, das Geschäft mit Privatkunden sei rückläufig. Zitat: „Während der Corona-Pandemie sei das Geschäft regelrecht explodiert und danach dramatisch abgestürzt. Allgemein sei das Konsumklima in der Möbelbranche am Boden.“ Das habe auch bei Rolf Benz Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl, die aber hauptsächlich durch den demografischen Wandel reduziert werden konnte, so Mauß. Im Handelsblatt, das zuerst über die aktuelle Entwicklung berichtete, kommt am Rande übrigens noch eine intressante Information zur Sprache. Demnach habe auch Markus Benz, ältester Sohn des im vergangenen Jahr verstorbenen Firmengründers Rolf Benz – und seit 1993 Inhaber des Designmöbel-Herstellers Walter Knoll - darüber nachgedacht, im ehemaligen Familienbetrieb wieder einzusteigen. Markus Benz habe im Gespräch mit dem Handelsblatt die „besondere historische Bedeutung“ des Unternehmens Rolf Benz hervorgehoben. Man habe sich mit der Möglichkeit eines erneuten Engagements ernsthaft auseinandergesetzt, das Unternehmen geprüft und eine wirtschaftliche Bewertung vorgenommen, wird Markus Benz zitiert. Im Ergebnis sei man zu dem Schluss gekommen, „dass sich unter den gegebenen Rahmenbedingungen kein tragfähiger Weg für ein Investment unsererseits ergeben hat“. Eine Aussage, die eine optimistische Prognose für den Nagolder Traditionsbetrieb nicht zwingend nahelegt. - Die Geschichte „Rolf Benz“ ist noch lange nicht auserzählt. Ihr Ralf Hartmann |
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