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26.03.2026 Nach dem Tod von Rolf Demuth habe ich einen langjährigen Weggefährten der Schieder Möbel-Legende gebeten, seine persönlichen Erinnerungen an den Verstorbenen zu Papier zu bringen. Unter der Überschrift „Meine Erfahrungen und die Gedanken in der Zeit mit Rolf Demuth“, hat er, der anonym bleiben möchte, der aber auf viele gemeinsame Jahre mit dem Schieder Möbel-Boss zurückblicken kann, eine sehr persönlich gehaltene Rückschau formuliert:

„Bescheiden in seiner Person und zuvorkommend höflich zu Allen. Er hatte Visionen und übermittelte diese in einer Art und Weise, dass sich jeder mitgezogen fühlte. Er konnte Begeistern wie kein Zweiter und dabei ging es stets um die Sache. Egal ob Azubi, Hilfskraft oder Geschäftsführer, er suchte und pflegte zu allen und in jeder Situation den Kontakt.

Ein Macher, ein Mann der Tat. Andere überlegten und diskutierten noch, er handelte schon. Er war in den Entscheidungen einfach treffsicherer und schneller als andere.

Spontanität und die passenden Worte waren ein Teil seiner Merkmale. Wenn er kritisierte, dann überzeugend und mit Argumenten. Er war aber tolerant. - Ein Pionier seines Faches.

Sein Fehler war, dass er auf der Suche nach einem Nachfolger, sich zu sehr von den theoretischen Darlegungen branchen- und praxisfremder Berater begeistern ließ.“

So viel zu dem. Eine Würdigung des Lebenswerks von Rolf Demuth kommt natürlich nicht ohne einen Blick auf das dicke Ende aus. Wobei ich gerne darauf verzichte, die Details der Schieder Möbel-Pleite hier nachzuerzählen. Nur so viel. Nach unregelmäßígkeiten in den Bilanzen kam es 2007 zur Insolvenz der Schieder Möbel-Gruppe und Jahre später im Jahr 2010 wurden Demuth und drei weitere Führungskräfte der Schieder Möbel Holding angeklagt. Vorwurf: Kreditbetrug und Bilanzmanipulation. Für Rolf Demuth lautete das Urteil 3 ½ Jahre Gefängnis, von denen er, überwiegend im offenen Vollzug, zwei Drittel verbüßt hat, bis er 2013 wieder auf freien Fuß kam,

„Ich war der Möbelmann“, sagte Demuth vor Gericht, was heißen sollte, um Zahlen habe er sich nicht gekümmert. Später räumte er dann ein, doch dies und das über Bilanzmanipulationen mitbekommen zu haben.

Nach der Verbüßung seiner Haftstrafe hat sich der Schieder Möbel-Boss aber keineswegs versteckt. Er unternahm verschiedene Versuche, mit einzelnen Firmen wieder einzusteigen in die Branche, war auf Messen unterwegs und aktivierte alte Kontakte. Letztendlich aber ohne Erfolg.

Horst von Buttlar, heute Chefredakteur der Wirtschaftswoche, hat damals den Prozess von Anfang bis Ende verfolgt, wobei ein Rückblick des Wirtschaftsmagazins Capital aus dem Jahr 2019 wohl auf seine Recherchen zurückzuführen ist.
Da heißt es über Rolf Demuth und Kollegen:

„Sie sollten mit falschen Zahlen, geschönten Bilanzen und überbewerteten Lagerbeständen die Notlage verschleiert haben. Der Schaden: 234 Millionen Euro. Der Prozess vermittelte jedoch den Eindruck, dass die Angeklagten zuvorderst das Unternehmen hatten retten wollen.“ - „Hier sitzt keine Bande“, habe der Richter damals erklärt. Niemand habe sich persönlich bereichert. Und die Banken hätten unter haarsträubenden Bedingungen Kredite vergeben.

Angesichts aktueller Wirtschafts-Delikte á la Wirecard oder René Benko sind das dann doch eher Peanuts. Er war eben „nur“ der Möbelmann, Rolf Demuth. Eine bemerkenswerte Persönlichkeit war er allemal.

Ihr Ralf Hartmann
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