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› Wenn die Lage ernst ist …
19.05.2026 … dann muss sie nicht zwangsläufig hoffnungslos sein. Beim Rückblick auf die letzten vier Wochen, können uns aktuell aber durchaus Zweifel kommen, ob sie nur ernst ist – die Lage. Dabei gab es doch – hurrah! - eine Entlastungsprämie – also beinahe. Ein großer Wurf? Naja. Gut gemeint, sagte beispielsweise der scheidende BaWü-Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner Abschiedsrede im Bundesrat, gut gemeint, das sei oft das Gegenteil von gut gemacht. – Also sinngemäß.

Bis zu 1.000 Euro pro Arbeitnehmer hätten die Firmen als Prämie auszahlen können, steuerlich absetzbar, als Betriebsausgabe. Die Länder waren dagegen, obwohl es sicher gut gemeint war von Merz, Klingbeil & Co.

Tausend Euro pro Nase. Das hätte beispielsweise für den „Möbel-Giganten“ interlübke, der gerade sein Heizöl nicht mehr zahlen kann, 104.000 Euro Extrakosten bedeutet. Pro Monat fallen in Rheda-Wiedenbrück aber gerade 50.000 Euro Zusatzkosten für die Heizung in den überdimensionierten Produktionshallen an. Also nix mit Entlastung für die Arbeitskräfte bei interlübke, die gerade mit Insolvenzgeld über Wasser gehalten werden.

„Möbel-Gigant“ heißt der insolvente Markenmöbelproduzent aus Ostwestfalen übrigens zuweilen in Teilen der Boulevardpresse, die solch kleine Übertreibungen wohl für besser konsumierbar hält.

Ähnlich geht es eher bodenständigen Möbelhäusern mit ein, zwei Filialen, die – wenn die Schließung ansteht - bei der Berichterstattung schnell mal zum „Möbelkonzern“ werden. Die Adjektive „beliebt“ und „traditionsreich“ gehören da grundsätzlich auch ins Wortgepäck.

Aber zurück zur Lage. Wohl kaum einmal gab es in jüngerer Zeit so dramatische Hilferufe aus allen nur denkbaren Ecken. So forderten branchennahe Profi-Lobbyisten verschiedener Interessengemeinschaften ausnahmsweise nicht nur Wohnungsbau, Wohnungsbau, Wohnungsbau, sondern sie riefen regelrecht um Hilfe.

Beispiel HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge, der schon Mitte April feststellen musste: „ Eine klare Mehrheit der Unternehmen unserer Branche bewertet sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für das nächste halbe Jahr negativ.“ Die Stimmung in der deutschen Holzindustrie habe sich bereits im März deutlich verschlechtert.

Ohnesorges Fazit: „Steigende Energiepreise treffen die deutsche Wirtschaft in einer Phase, in der sie gerade erst zaghafte Erholungszeichen zeigte. Die Konjunkturprognosen haben sich entsprechend eingetrübt.“

Durchaus dramatischer äußerte sich der Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ) e.V. in einem Offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz mit der Ansage „Krise bedroht Unternehmen der Verkehrsbranchen“. Kernthese: „Die wirtschaftliche Lage im mittelständisch geprägten Verkehrsgewerbe spitzt sich immer weiter zu.“

Es folgt eine lange Latte von Forderungen zur Entlastung der Branche, die in der Feststellung gipfelt: „Unsere Branchen sind unverzichtbare Säulen der täglichen Versorgung und Mobilität in unserem Land. Wir sichern die kontinuierliche Versorgung von Industrieproduktion, Handel und Bevölkerung mit Gütern und Waren, garantieren die Anbindung ländlicher Räume, ermöglichen Schüler-, Berufs- und Gelegenheitsverkehr und stellen damit ein fundamentales Element der öffentlichen Daseinsvorsorge dar.“

Ob er ihn gelesen hat, den Offenen Brief, der Kanzler? Wenn ja, dann wird es Zeit für eine neue Krisensitzung in der Villa Borsig. Irgendetwas mit „Entlastung“ wird da schon bei rauskommen. Bleiben wir zuversichtlich!

Ihr Ralf Hartmann
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