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› Peter Wulff ist tot …
10.06.2026 … der Gründer des INSIDE Wohn-Markt-Magazins ist in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2026, 10 Tage nach seinem 86sten Geburtstag, verstorben. Wie seine Kollegen in einem emotional formulierten Nachruf schreiben, hat sich die INSIDE-Ikone Peter Wulff schon vor Jahren – genauer 2012 – „aus dem operativen Geschäft zurückgezogen“. Da bleibt nicht viel. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Die Weggefährten aus ein paar Jahrzehnten journalistischen Begleitservices sterben aus. – Die Zeit vergeht. In Tagen, in denen selbst ich schon fünf Jahre älter bin, als der amtierende Papst, sind Typen wie Wulff oder ich schon länger aus der Zeit gefallen.

Mit Peter Wulff habe ich die ersten Jahre meines Berufslebens als Branchen-Journalist verbracht. Saß sogar zwei, drei Jahre „Face to Face“ mit ihm im selben Zimmer. Aber uns trennten Welten! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Heute leben wir in anderen Zeiten. Also sowieso und natürlich auch informationstechnisch. Früher, also als auch der Inside erst 10 Jahre am Markt war, da lief die Recherche noch ein wenig anders, als es heute Standard ist.

Die Gefahr, dass einem „heiße“ Informationen weggeschnappt wurden, bestand eigentlich nicht. Denn es gab ja keine Social-Media-Medien, über die die kleinen und die großen Aufreger – wahr oder erfunden – in Sekundenschnelle ihren Weg in die Köpfe der sensationshungrigen Leserschaft transportiert werden konnten.

Auch das war der Erfolg vom Inside in den Siebziger-, Achtziger- ja sogar auch noch in den 1990er Jahren. Wir hatten Informationen exklusiv. Die Leser waren gespannt auf die neuesten Enthüllungen - alle 14 Tage. So viel Zeit musste sein. Und so viel Zeit war auch.

Und heute? Da geht es nicht mehr um die Nachricht an sich, da geht es um den „Echtheitszweifel“, wie Michael Moorstedt vor kurzem in einem lesenswerten Beitrag („Im Zweifel für den Zweifel“) in der Süddeutschen Zeitung schrieb.

„Der Fake ist zum Standard geworden“, lautet die These: „Eine Zumutung? Nein, denn der neue Echtheitszweifel könnte sich als eine verspätete Form digitaler Mündigkeit entpuppen“, meint Moorstedt.

Zitat: „Immer häufiger stellt sich beim Scrollen eine diffuse Frage, die man noch bis vor Kurzem eher mit einem gepflegten Nervenzusammenbruch in Zusammenhang gebracht hat. Was ist überhaupt noch real?“

Das Problem: Nicht nur bei „makellosen Tierfotos“ oder „hyperattraktiven Insta-Gesichtern“ wachsen die Zweifel. Nein, auch bei „scheinbar ganz banalen Dingen – Forenbeiträgen, Alltagsanekdoten“, den kleinen Erzählungen, die lange als soziales Schmiermittel des Netzes dienten stelle sich neuerdings die Echtheitsfrage.

Denn, so Moorstedt weiter, „im vergangenen Jahr waren 73 Prozent aller Anfragen an Chat-GPT keine arbeitsrelevanten Themen, sondern privater Natur“. So ließen sich Nutzer von der KI ihre Kondolenzschreiben genauso verfassen wie die privaten Nachrichten an Eltern und Freunde. „Und plötzlich wirkt alles verdächtig glatt.“ - Von KI gestützten journalistischen Errungenschaften gar nicht zu reden.

Michael Moorstedts Lösungsansatz: „Anstatt also nur über Social-Media-Verbote für Jugendliche zu diskutieren, sollte es auch darum gehen, wie man Menschen aller Altersklassen auf die neue Realität vorbereitet. Es bräuchte einen Crashkurs in Gegenwartskompetenz.“

Eine der ersten Lektionen im Lehrplan: „dem allzu Perfekten zu misstrauen“, vielleicht auch, zu akzeptieren, dass Skepsis keine Paranoia ist, „sondern eine neue Form digitaler Hygieneregel“.

Also in Zeiten der virulenten KI-Fakes mindestens einmal innehalten, bevor man das allzu schöne Bild weiterleitet und mal sehr genau nachfragen, „wer und aus welchem Grund etwas postet“.

Ob Peter Wulff, der ja in den letzten 14 Jahren „operativ“ nicht mehr bei uns war, diesen Weg hätte mitgehen wollen - oder können, die Frage stellt sich nicht mehr. Aber eines ist sicher: zugunsten einer gelungenen Pointe hat sich auch der Inside-Gründer durchaus nicht immer an alle „Hygieneregeln“ gehalten … in einer anderen Zeit.

Ihr Ralf Hartmann
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