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20.08.2026
… mal nachzuzählen, wie viele Sanierungsexperten sich seit Ende Juni auf den Weg nach Taufkirchen machen, um dort ihre Talente zum Wohl der angeschlagenen himolla Polstermöbel GmbH einzubringen, der könnte sich erstaunt die Augen reiben. Es sind viele – sehr viele.
Im Rückblick auf die weit größere Schieflage eines Branchenteilnehmers vor rund 20 Jahren – Schieder Möbel – fällt mir ein, dass damals eine fröhliche Beraterschar insgesamt rund 20 Millionen Euro an Honoraren geltend gemacht haben soll – für die Verwaltung der Misere. Wobei der Vorgang an sich nicht ungewöhnlich ist. Früher, als Insolvenzen noch als „Konkurs“ absolviert wurden, da galt die Regel für eine ordnungsgemäße Vorgehensweise: es muss genügend Masse vorhanden sein, um die Kosten eines Konkurs-/Insolvenzverfahrens zu begleichen. Dazu zählten in allererster Linie die Kosten für die Tätigkeit des Insolvenzverwalters, der die Dinge mit Hilfe von zwei, drei Mitarbeitern seiner Kanzlei ins Lot zu bringen versuchte. Für die Forderungen der Gläubiger einer insolventen Gesellschaft blieb dann oft nicht allzu viel übrig. Das ist auch heute noch so. Seit der segensreichen Einführung der „Eigenverwaltung“ in einer Mangelsituation unter einem „Schutzschirm“ hat sich da aber auch einiges verändert. Hierzu Wiikipedia: „Die Eigenverwaltung gehörte zu den wesentlichen Neuerungen der 1999 in Kraft getretenen InsO von 1994. Seit einer Änderung der Insolvenzordnung im Jahre 2012 durch das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) findet diese besondere Form des Insolvenzverfahrens deutlich häufiger Anwendung. […] Einen Sonderfall der (vorläufigen) Eigenverwaltung stellt hierbei das in § 270d InsO geregelte Schutzschirmverfahren dar.“ Und das braucht nun mal Man-Power. Im Fall himolla ist das ein vorläufiger Sachwalter (Diplom-Kaufmann Arndt Geiwitz von SGP Schneider), dem „der insolvenzerfahrene Restrukturierungsfachmann Tillmann Peeters“ als „Verstärkung“ zur Seite gestellt wird. Hinzu kommt „ein Team um Dr. Thomas Reissmann“ von DMR Legal, „das die Geschäftsführung insolvenzrechtlich verstärken soll“. Es gibt eben viel zu tun in Taufkirchen. Aber im Fall himolla scheint alles ein wenig anders, als in üblichen Problem-Situationen. Während in den offiziellen Verlautbarungen das übliche Blabla zu den Hintergründen verbreitet wird - „schwache Konsumlaune, stockende Bautätigkeit und preisaggressiver Wettbewerb aus Niedriglohnländern“ – scheinen die Gründe für einen problematischen Geschäftsverlauf doch durchaus tiefer zu liegen in Taufkirchen. Denn mit Manfred Ziegler, der im vergangenen Jahr mehrheitlich bei himolla eingestiegen ist, sitzt der Sanierungsexperte doch schon seit rund einem Jahr an den Schalthebeln der Macht. Und sicher hat die Welle Holding die Verantwortung damals nicht deswegen abgegeben, weil alles eitel Freude, Sonnenschein war bei der einstigen Welle-Polsterperle. „Seit über 30 Jahren ist Dr. Manfred Ziegler erster Ansprechpartner für Unternehmen in besonderen Situationen“, heißt es auf der Homepage seiner Dachgesellschaft Conzima GmbH. „Besondere Situationen“, das heißt, Manfred Ziegler ist nicht etwa ein Investor der mal eben seine Liebe zur Polstermöbelbranche entdeckt hat, nein, er steigt da ein, wo es schwierig wird. Denn, so seine Selbstdarstellung, „neben der langjährigen Erfahrung und der fundierten Expertise zeichnet sich conzima vor allem durch die vielfältige Branchenkompetenz aus – sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Unsere Schwerpunkte liegen hauptsächlich auf den Branchen Food, Healthcare, Retail sowie Pharma & Medical. Außerdem zählen noch zahlreiche weitere Branchen wie Maschinenbau & Automotive und IT zu unserem umfassenden Portfolio.“ himolla ist also ein Sanierungsfall von vielen im Portfolio seines neuen Mehrheitsgesellschafters. Bleibt die Hoffnung auf einen halbwegs positiven Verlauf der „Restrukturierung“. - Andernfalls … Ihr Ralf Hartmann |
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