Hartdran-Logo
› Es geht mal wieder um den Untergang …
21.09.2026 … und alles ist so schrecklich! Während VDM-Geschäftsführer Jan Kurth auf der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz zur Lage der Möbelbranche am 01.09.2026 in Köln durchaus bemüht war, keine Katastrophenstimmung aufkommen zu lassen, waren auch diesmal die diversen Aufbereitungen seines Zahlenwerks vor allem in der Tagespresse mehr auf Krawall gebürstet. „Billige China-Möbel fluten den deutschen Markt, während heimische Branche weiter schwächelt“, schreibt beispielsweise Sandra Sporer im Münchner Merkur und zitiert damit Carsten Dierig, der zuvor schon in der Welt mit dem Titel „Billigware aus China überrollt die nächste deutsche Branche“ ausführlich über die Pressekonferenz der Möbelbranche berichtet hatte.

Auffällig, dass gerade die Springer Presse die Möbelbranche in den Untergang bugsiert, denn Dierigs ansonsten durchaus kompetenter Beitrag wurde sinngemäß auch bei der Springer Schwester Business Insider zweitverwertet. Diesmal mit der Headline „Wie Billig-Möbel aus China den deutschen Herstellern zusetzen“. Die BILD-Zeitung hat dann auch noch eine knackige Titelzeile nachgeliefert. Habe ich grad nicht präsent.

Dabei ist die Lage gar nicht so dramatisch. Schönreden muss man die Lage aber auch nicht …

Interessant dabei die Ausführungen des Geschäftsbereichsleiters Messemanagement in Köln, Matthias Pollmann, zum Stand der Dinge in Sachen „Möbelmesse im Januar“. Der äußerte sich auf der VDM-Pressekonferenz erfrischend offen zur aktuellen Anmeldesituation deutscher Aussteller zur bevorstehenden imm cologne 2027.

Zitat - sinngemäß: Vor der M.O.W. – also vor den Herbstmessen – entscheide sich eigentlich kaum ein potentieller Aussteller für einen Köln-Auftritt …. Tatsächlich sei erst im November mit definitiven Zusagen zu rechnen. Die aktuelle Planung beläuft sich auf die Hallen 11 + 12 im Deutzer Messegelände mit insgesamt 63.500 qm Ausstellungsfläche.

Aber zurück zur Lage der Möbel-Nation: Wie bereits erwähnt hat Möbelfunktionär Jan Kurth – aus meiner Sicht durchaus gekonnt – versucht, den Ball flach zu halten, ohne die Sache schön zu reden.

Der „Feind“ ist beispielsweise die Reisebranche: „Kurzfristige Bedürfnisbefriedigung scheint beim Kampf um das Portemonnaie der Verbraucherinnen und Verbraucher im Vordergrund zu stehen. Für Reisen und Freizeit wurde im vergangenen Jahr rund dreimal so viel Geld ausgegeben wie für Einrichtung.“ - Nämlich 90 Milliarden Euro für Reisen und nur 30 Milliarden für Einrichtung.

Das Thema Wohnungsbau ist für die Misere ja bereits ausgiebig durchgenudelt worden. Als unnötige Belastung sehen die Möbelhersteller zudem „regulatorische Anforderungen“ im Zuge der EU-Ökodesign-Verordnung: „insbesondere die Umstellung auf eine stärker kreislauforientierte Wertschöpfung … und des damit verbundenen Digitalen Produktpasses.“ Stichwort Bürokratieabbau.

Die „fortschreitende Konsolidierung im Möbelhandel“ – aktuell der XXXLutz/porta-Deal – finden die Möbelhersteller natürlich auch nicht so fein. Aber, Jan Kurth macht nicht den Jammerlappen und sieht keinen Anlaß, in „Schockstarre“ zu verharren: „Wer unsere Hersteller besucht, trifft auf Unternehmerinnen und Unternehmer, die investieren, neue Produkte entwickeln, Märkte erschließen und ihre Fertigung modernisieren.“

Und für alle Hersteller, die sich von China – noch – nicht überrollen lassen wollen, lautet Jan Kurths Gebot der Stunde: Diversifizierung.

„Eine breitere Aufstellung ist sowohl bei den Vertriebswegen als auch auf den Absatzmärkten erforderlich. Angesichts der schwachen Kundenfrequenz auf großen Verkaufsflächen denken Unternehmen über zusätzliche Vertriebskanäle nach, darunter der inhabergeführte Fachhandel, der Online-handel und das Objektgeschäft, also die Ausstattung von Büros, Hotels, Gastronomie und öffentlichen Einrichtungen.“ – Da gibt es noch einiges zu tun, bevor die Flinte im Korn liegt, meint

Ihr Ralf Hartmann
Anzeigen
mehr...
mehr...
mehr...
mehr...
mehr...
mehr...
medienPARK-Homepage